Sturzgeburt bzw. überstürzte Geburt

Plötzlich ist das Baby da – was genau ist eigentlich eine Sturzgeburt?

Wenn ein Kind besonders schnell auf die Welt kommt, spricht man umgangssprachlich von einer Sturzgeburt. Doch tatsächlich steckt etwas ganz anderes hinter dem Begriff ...

Sturzgeburt
© iStock/vvaragic
Eine Sturzgeburt bringt besondere Herausforderungen mit sich. 

Für jede Frau ist die Geburt ihres Kindes ein ganz eigenes, individuelles und in ihrem Ablauf meist nicht wirklich vorhersehbares Ereignis. Jede Geburt ist anders und außerdem geht jede Frau mit einer Erfahrung unterschiedlich um. Wie in so vielen Bereichen, ist es auch hier ganz entscheidend, dass ihr auf euer Bauchgefühl hört und euch möglichst nicht von irgendwelchen Geschichten irritieren lasst. Vertraut euch und eurem Körper, ihr seid stark und schafft das! Eine Sturzgeburt ist sehr selten und daher nichts, worüber ihr euch im Voraus den Kopf zerbrechen solltet.

Eine Sturzgeburt – was ist das überhaupt? 

Umgangssprachlich ist der Begriff "Sturzgeburt" verbreitet, wenn es sich um eine sehr schnelle Geburt handelt. Das Baby kommt ab der ersten Wehe innerhalb von zwei oder drei Stunden zur Welt.

Tatsächlich bezeichnet der Begriff "Sturzgeburt" aber etwas ganz anderes. Und zwar das unkontrollierte Fallenlassen des Babys bei einer vaginalen Geburt. Die Dauer der Geburt spielt dabei offiziell keine Rolle. Zu dieser "echten" Sturzgeburt kommt es beispielsweise, wenn eine Schwangerschaft verdrängt oder unerkannt war. Dann kann es passieren, dass die Mutter das Baby alleine und an einem ungeeigneten Ort zur Welt bringt und es zu einem Fall oder Sturz des Babys kommt. Man verpasst also quasi den genauen Moment der Geburt und kann das Baby nicht auffangen. Wenn Frauen eine solche Situation erleben und merken, dass das Baby jeden Moment kommt, sollten sie sich daher möglichst nah auf den Boden, am besten mit einer weichen Unterlage, oder auf das Bett begeben, um eine Fallverletzung des Kindes zu verhindern.

Wie kommt es zu einer Sturzgeburt, was sind die Ursachen?

Wir wollen zunächst einmal festhalten, dass das, was, gemeinhin als Sturzgeburt bezeichnet wird, eigentlich eine überstürzte Geburt ist, während der das Baby schnell, meist innerhalb von zwei oder drei Stunden, auf die Welt kommt. Um sie soll es im Weiteren gehen, nicht um die Sturzgeburt in ihrer fachlich korrekten Bedeutung, wie oben beschrieben.

Eine überstürzte Geburt ist oftmals nicht vorhersehbar, sondern ergibt sich erst während der Geburt. Sie zählt zu den Risikogeburten. Was führt denn nun zu einer überstürzten Geburt? Folgende Ursachen können dahinterstecken:

  • wenig Widerstand im Geburtskanal, vorgedehntes Gewebe (z. B. durch vorausgegangene Schwangerschaften und Geburten)
  • mehrere Geburten in schneller Folge, sodass der Geburtskanal sich noch nicht vollständig wieder zurückgebildet hatte
  • Mehrlingsgeburten
  • schnelle Muttermunderöffnung
  • starke und sehr wirksame Wehentätigkeit
  • das Gebären eines sehr kleinen Babys bzw. eines Babys mit einem kleinen Kopfumfang
  • geringes Schmerzempfinden der Frau
  • bei Erstgebärenden, die ihre Schwangerschaft nicht erkannt, verdrängt oder verheimlicht haben
  • Plazentaablösung
  • eingeleitete Geburt

Was passiert bei einer Sturzgeburt oder überstürzten Geburt?

Was vielleicht erst mal recht entspannt klingt, ist für Mama und Baby mitunter gar nicht so einfach, da die krasse Umstellung so schnell geschieht. Zudem gehen der Geburt oft kaum (spürbare) Eröffnungswehen voraus, stattdessen kommt es zu wenigen, aber heftigen Presswehen. Es kann sogar passieren, dass eine einzige Austreibungswehe bereits das Baby ans Licht der Welt befördert.

Wie verhält man sich am besten?

Merkt ihr, dass das Baby jeden Moment kommt, solltet ihr den Notarzt oder die Hebamme verständigen und euch in eine bequeme und sichere Geburtsposition begeben. Das heißt, eine weiche Unterlage wie Bett oder Kissen. Einige Frauen empfinden den Vierfüßlerstand als angenehm. Hier haben sie eine gute Bewegungsfreiheit und die Schwerkraft hilft bei der Geburt. Allerdings sollte man darauf achten, dass das Baby nicht herunterfällt.

Eine solch schnelle Geburt kann einen durchaus überrumpeln und vielleicht auch überfordern oder an bzw. über die eigenen Grenzen bringen. Bestenfalls schafft ihr es, euch an das Atmen zu erinnern, das ihr im Geburtsvorbereitungskurs gelernt habt. 

Solltet ihr schon zuvor schnelle Geburten gehabt haben, fahrt am besten bei den kleinsten Anzeichen direkt ins Krankenhaus oder informiert bei einer geplanten Hausgeburt eure Hebamme. 

Ist das Baby dann da, solltet ihr es warm halten. Am besten mit vorgewärmten (nicht heißen!) Handtüchern oder mit Decken und auf dem Bauch der Mama (wenn die Nabelschnur lang genug ist). Das Abnabeln solltet ihr dem Fachpersonal überlassen, wenn es eintrifft.  

Folgen einer überstürzten Geburt

Eine Blitzgeburt verläuft in den meisten Fällen ohne Komplikationen. Dennoch kann es passieren, dass Mutter und Kind erst mal überwältigt oder geschockt von dem schnellen Geburtsereignis sind. Das Baby braucht dann ein paar Tage, um auf dieser Welt richtig anzukommen. Und auch die Mama hat möglicherweise Gesprächsbedarf und braucht Unterstützung, um das Erlebte zu verarbeiten und sich ganz auf ihr Kind einlassen zu können. 

Körperlich kann es durch die schnelle Geburt zu Verletzungen der Weichteile im Geburtskanal oder Beckenboden der Frau kommen. Ein Dammriss oder ein Scheidenriss verheilt in der Regel aber recht schnell. Auch Nachblutungen sind möglich.

Sollte das Kind bei einer "echten" Sturzgeburt heruntergefallen sein, sind natürlich Verletzungen möglich, oder die Nabelschnur könnte reißen. Auch bspw. wenn die Mutter die Wehen mit Stuhldrang verwechselt hatte und es zu einer Toilettengeburt kam. Doch selbst bei einer überstürzten Geburt kann es vorkommen, dass Oberkörper, Arme oder Beine des Babys in Mitleidenschaft gezogen werden. Oder dass es unter der Geburt zu Sauerstoffmangel beim Baby kommt. Ein Arzt sollte das Baby daher möglichst nach der Geburt untersuchen. 

Sowohl fürs Baby, aber auch für die Mama ist das sogenannte Bonding nun besonders wichtig. Viel Ruhe, viel Körperkontakt, am besten mit nackter Haut, sind hier hilfreich. Und ihr werdet sehen: Schon bald seid ihr ein eingespieltes Team!

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