Babyschlaf

Schlafexpertin verrät: "Diese Tricks helfen, wenn dein Kind ein extremer Frühaufsteher ist"

Der frühe Vogel fängt den Wurm? Von wegen. Wenn Kinder extrem früh wach werden, ist das für Eltern oft eine ziemliche Herausforderung. Eine Schlaf-Expertin verrät, was helfen kann.

Mama sitzt müde am Tisch, Kind ist hellwach© iStock/tatyana_tomsickova
Wer einen kleinen Frühaufsteher zu Hause hat, braucht starken Kaffee.

Zugegeben: Unser Sohn war von Geburt an eher ein Frühaufsteher. Eine Lerche, nennt man das wohl. Von wem er das hat – keine Ahnung. Aber richtig wild wurde es erst einige Wochen nach seinem ersten Geburtstag. Eines Tages zeigte die Uhr kurz nach vier – und das Kind war wach. Also richtig wach! Und das Schauspiel wiederholte sich am nächsten Tag. Und am übernächsten. Täglich grüßte fortan das Murmeltier – spätestens um 4:20 Uhr. Für viele, viele Monate.

Wir als Eltern durchliefen in dieser Zeit verschiedene Phasen. Zuerst: Verzweiflung. Wir haben geschuckelt, gesungen, ihn bis zur völligen Erschlaffung der Armmuskulatur im Wiegeschritt durchs Schlafzimmer getragen. Fand er auch alles ganz witzig. Aber wach war er trotzdem.

Dann: Verleugnung. "Das kann ja nicht lange so gehen." Doch. Konnte es. "Ist bestimmt nur eine kurze Phase." Nein. War es nicht.

Und zuletzt: Akzeptanz. "Okay. Es hilft ja nichts." Also: Aufstehen, Pyjamaärmel hochkrempeln und Kaffee machen. Seeehr starken Kaffee.

Aus Pragmatismus haben wir uns mit der "Frühschicht" täglich abgewechselt. Heißt, einer durfte noch bis zur normalen Weckzeit weiterschlafen. Für den anderen ging’s raus ins Kinderzimmer.

Das Elend mit den gut gemeinten Ratschlägen

Das Gute: Der 4-Uhr-Spuk ereilte uns in den Frühjahrs- und Sommermonaten. Nicht selten haben wir also die milden Temperaturen bereits gegen 6 Uhr draußen genossen – nur mein Sohn und ich. Irgendwie war es auch eine ganz nette Erfahrung, die sonst völlig überlaufenen Spielplatze ganz für sich zu haben. Wir haben gemeinsam zugesehen, wie Hühner morgens aus ihrem Stall gelassen wurden. Wir sind durch Naschgärten gestreift und konnten so viele Beeren ernten, wie wir wollten, bevor später die Kita-Horden darüber hergefallen sind. Schön war das schon. Und trotzdem: Wenn ich dann um 8 Uhr angefangen habe zu arbeiten, hat es sich angefühlt, als hätte ich den halben Tag eigentlich schon hinter mir. Büro-kompatibel ist das irrwitzig frühe Aufstehen definitiv nicht.

Tipps von Außenstehenden wie "Bringt ihn doch abends einfach später ins Bett" haben bei mir irgendwann nur noch nervöses Augenzucken ausgelöst. Natürlich haben wir alles Mögliche probiert. Aber mal abgesehen davon, dass ich ein übermüdetes Kind nicht krampfhaft länger wachhalte – die Bettgehzeit hatte keinen Einfluss auf die Aufwachzeit. 4 Uhr war wie in Stein gemeißelt.

Als unser Sohn anderthalb wurde, war der Spuk plötzlich vorbei. Quasi von einem Tag auf den anderen blieb er abends länger auf und ratzte morgens plötzlich bis sechs. Manchmal sogar bis halb sieben. Halleluja. Einen Rückfall gab es bislang (toi, toi, toi) nicht.

Tipps einer Schlaf-Expertin

Aber: Hätten wir etwas anders machen können, um unseren Sohn schon viel früher an andere Schlafzeiten heranzuführen?

Schlaf-Coachin Andrea Januschok sagt: "Das Kind später ins Bett zu bringen, wird wohl nur in den allerwenigsten Fällen etwas bringen. Nämlich dann, wenn das Kind zu früh ins Bett geht. In allen anderen Fällen wird das Kind vermutlich nicht nennenswert länger schlafen, sondern vielleicht sogar in die Übermüdung rutschen und zur gleichen Zeit oder eher aufstehen." So viel also zu den gut gemeinten Tipps.

Um das Kind abends später ins Bett zu bringen, muss der ganze Tagesablauf verschoben werden.

Schlaf-Coachin Andrea Januschok

Dafür, dass Kinder so früh wach werden, kann es mehrere Gründe geben:

  • Übermüdung: Das Kind geht zu spät ins Bett oder bekommt zu wenig Tagschlaf.
  • Es ist ausgeschlafen, weil es zu viel Tagschlaf bekommen hat.
  • Der Schlafdruck ist nicht ausreichend, weil die Wachphasen nicht passen. 
  • Schlafassoziation: Die häufigsten Beispiele dafür sind nuckeln, tragen, schuckeln, Fläschchen, trinken – quasi alles, was als Einschlafhilfe taugt.

Ist es schlau, darauf zu hoffen, dass das frühe Aufwachen irgendwann von allein aufhört? "Das ist möglich, wenn sich der Schlafbedarf zufällig so ändert, dass die Tagesstruktur sich verschiebt. Hängt das frühe Aufstehen z.B. mit einer Schlafassoziation zusammen, ist es unwahrscheinlich, dass sich das Problem zeitnah von selbst löst", so die Expertin.

Ihr Rat: "In den allermeisten Fällen wird es deutlich schneller gehen, Ursachenforschung zu betreiben und an der richtigen Stellschraube zu drehen als abzuwarten, dass sich die Situation von allein ändert."

So können Eltern den Schlafrhythmus anpassen

Doch wie können Eltern den Schlafrhythmus ändern? "Um die Zeiten zu verschieben, gibt es – vorausgesetzt die Tagesstruktur passt prinzipiell – nur zwei Möglichkeiten, je nachdem, in welche Richtung der Rhythmus geschoben werden muss. Entweder den Tag durch Wecken eher beginnen oder den ersten Tagschlaf und damit den ganzen Tag step by step nach hinten schieben."

Ein weiterer Tipp: "Ein zusätzlicher Powernap am Morgen oder am Nachmittag kann helfen, besser über den Tag zu kommen und das Kind nicht extrem früh zum Nachtschlaf hinlegen zu müssen."

Im Nachhinein ist man eben immer klüger. Aber hoffentlich helfen Andreas Tipps nun anderen übermüdeten Eltern ...

 

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