Ein Schnuller fürs Neugeborene
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Warum Eltern ihrem Neugeborenen einen Schnuller geben, kann viele Gründe haben.

Einen Schnuller zu nutzen hat für viele Eltern in der Babyzeit Vorteile. Manche Eltern wünschen sich auch, dass ihr Kind einen Schnuller zur Beruhigung gerade für die Nächte nimmt, doch nicht alle Kinder mögen ein künstliches Material im Mund. Zu der Frage "Schnuller für Neugeborene – ja oder nein" haben wir mit der Logopädin Catja Eikelberg und der Stillberaterin Lina Mazzoni gesprochen. 

Ein Schnuller zum Beruhigen

Weinen Babys, beispielsweise auch beim Einschlafen, "geht es oftmals um die Co-Regulierung, die Babys und Kleinkinder brauchen, um sich zu entspannen", so die Expertinnen. Hier greifen viele Eltern zum Schnuller. Dieser gilt als ein gängiges Mittel, das Baby zu beruhigen. Nicht ohne Grund wird der Schnuller in den USA als "pacifier" (= Beruhiger) bezeichnet. Doch es gibt gute Alternativen, das Baby zu beruhigen: kuscheln, Vorsingen oder das Begleiten von Weinen durch eine ruhige Anwesenheit. "Wird Babys zugehört und mit ihnen gesprochen, fühlen sie sich verstanden und sicher. Dies kann ab der Geburt Orientierung schaffen und helfen, Emotionen abzubauen, die Babys nur durch Weinen oder Schreien äußern können", so Lina Mazzoni. "Es lohnt sich daher, immer auch mit dem Babyschlaf und dem Babyweinen auseinanderzusetzen, um Kindern langfristig eine Sicherheit geben zu können und zu helfen, sich später selbst gut regulieren zu können."

Als Zahnungshilfe ist ein Schnuller nicht geeignet

Einige Eltern nutzen den Schnuller nicht nur als Beruhigungshilfe, sondern auch später als Zahnungshilfe. Dabei haben die meisten Kinder das Bedürfnis, auf etwas zu kauen, um die Zahnleisten zu massieren und durch den Druck die Schmerzen zu lindern. "Anstatt eines Schnullers empfehlen wir hier geeignete Beißringe, da Schnuller schnell kaputt gekaut werden und tendenziell länger im Mund liegen bleiben als Beißringe", empfiehlt Catja Eikelberg.

Frühchen und Schnuller

Schnuller werden gerade auf der Frühchen-Station oftmals therapeutisch eingesetzt, wenn die Mutter und das Kind getrennt werden müssen, oder wenn das Baby aus individuellen Gründen ausschließlich die Flasche bekommt. "Dann wird das non-nutritive (also beruhigende) Saugen zur Regulation genutzt oder auch zur Unterstützung der Darmaktivität, wenn eine orale Nahrungsaufnahme nicht möglich ist. Ein ausschließlich gestilltes Neugeborenes braucht im Normalfall keinen künstlichen Sauger", erklärt die Stillberaterin Lina Mazzoni.

Das Abgewöhnen von Anfang an im Blick haben

"Grundsätzlich ist es für eine einfachere, spätere Abgewöhnung ratsam, sich vorab zu überlegen, wann und wie der Schnuller verwendet werden soll", schlagen die Expertinnen vor. Ein bewusster Umgang bedeutet also, dass Eltern den Schnuller nicht als einzige Beruhigungsstrategie verwenden, sondern ihn möglichst nur in Situationen wie beispielsweise beim Autofahren verwenden, wo sie keine andere Lösung finden. 

Den Schnuller ganz gezielt für einen überschaubaren Zeitraum, wie dem Einschlafen oder eben einer Autofahrt, zu geben, ist super.

Die Expertinnen raten allerdings, den Schnuller im Schlaf dem Kind aus dem Mund zu nehmen. Es sei wichtig, dass Kinder das erste Brabbeln, das Robben und Krabbeln oder sonstige Aktivitäten ohne Schnuller im Mund lernen dürfen.

Neben der motorischen Entwicklung sollten Eltern auch die soziale Entwicklung im Blick haben: Es ist enorm wichtig, Babys beim Weinen so liebevoll zu begleiten, dass sie Emotionen abbauen können.

Ist ein Schnuller denn schlimm?

Die Stillberaterin empfiehlt, zunächst das Problem wunder Brustwarzen oder allgemeiner Stillprobleme zu klären. Übergangsweise könne es häufig auch schon reichen, das Stillen zu kürzen, wenn es "nur" der Regulation dient. Hier können Eltern andere Formen der Regulation anbieten und ausprobieren, wie Tragen etc. "Dies sollte aber immer nur in Absprache mit einer qualifizierten Stillberatung passieren, bestenfalls einer IBCLC Stillberaterin", so die Expertin. Ganz wichtig: "Bevor das familiäre System zusammenbricht, kann auch ein Schnuller gezielt eingesetzt werden." Auch hier sollten Eltern zuvor mit einer Stillberaterin über die möglichen Einflüsse sprechen. "Das Saugen/Anlegen, das wahrscheinlich eh schon nicht optimal verläuft, da die Brustwarzen sonst nicht wund wären, könnte durch den Schnuller weiter negativ beeinflusst werden und somit wäre es noch schwieriger, die Stillsituation zu verbessern", weiß Lina Mazzoni.

Dem Baby den Finger geben

Viele Eltern setzen auch ihren eigenen kleinen Finger ein, um das Baby zu beruhigen. Aber ist das besser als ein Schnuller? Im Idealfall sollte ein Baby weder einen Finger, noch einen Schnuller bekommen.

Schnuller und Daumen/Finger haben im Vergleich beide Vor- und Nachteile.

"Das Problem beim kleinen Finger ist die knöcherne Härte und dass die Fingerkuppe häufig am Gaumen der Babys liegt. Dadurch kann es schon früh zu Verformungen des Gaumens kommen", sagt die Logopädin Catja Eikelberg. Zudem gewöhnen sich manche Neugeborene so an den harten, intensiven Stimulus. Das könne sogar das Saugen beim Stillen negativ beeinflussen.

Schnuller und Finger von Erwachsenen sind Fremdkörper im Mund des Kindes und so sollte auch damit umgegangen werden. 

Sprechenlernen bei Schnuller-Kindern

Wir haben uns gefragt, ob es für Kinder, die bereits als Neugeborene geschnullert haben, schwerer ist, richtig sprechen zu lernen. Für das Sprechenlernen müssen Kinder die Möglichkeit haben, dies auch zu üben. Das Sprechenlernen beginnt bereits mit der "Lallphase" ab etwa drei Monaten. Hier brabbeln die Babys Laute vor sich hin und probieren aus, wie sich Mundbewegungen auf die Stimme auswirken. "Sollte diese Phase und später die Zeit, in der erste Wörter ausprobiert und auch die Bedeutung dahinter gelernt wird, durch einen Schnuller reduziert sein, kann dies eine Sprech- und Sprachverzögerung mit sich bringen", erklärt die Logopädin.

Häufiges Benutzen des Schnullers könne zudem eine Mundatmung zur Folge haben, welche sich oftmals auf das Hören auswirkt. "Dabei ist nicht ein großer Polyp schuld an einer Hörbeeinträchtigung, sondern die fehlende Belüftung in den Ohren, da nicht durch die Nase, sondern durch den Mund geatmet wird", weiß Catja Eikelberg. Dies sehe man bei einigen Kleinkindern, die den Mund offen stehen haben und bei denen manchmal die Zunge sichtbar zwischen den Lippen liegt. Sollte dies der Fall sein empfehlen die Expertinnen, dies HNO-ärztlich abzuklären und logopädisch so früh wie möglich zu behandeln.
Grundsätzlich müsse der Einsatz von Schnullern bei Neugeborenen aber erst mal keine Folgen auf die Sprech- oder Sprachentwicklung haben.

Schnuller sterilisieren

Übrigens: Schnuller könnt ihr entweder in einem (Dampf-)Sterilisator oder fünf Minuten in kochendem Wasser sterilisieren. Anschließend sollten die Schnuller gut an der Luft trocknen. Bitte nicht in die Spülmaschine geben!

Lese-Tipp

Wer nützliche Tipps und Ideen zur Schmerzlinderung braucht, kann gerne den Zahnen-Guide der Expertinnen lesen. Sie sagen dazu: "Im Internet werden leider gehäuft nicht-fachliche Tipps, wie Eiswürfel in Fruchtsaugern, empfohlen, dabei sollte Babys niemals Eis im Ganzen angeboten werden. Erst recht nicht mit einem Schnuller!" Der "InnerMe-Zahnen-Guide" kostet 14,90 Euro. 

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