Die wichtigsten Fragen

Rotaviren-Impfung für Babys: Ja oder nein?

Rotaviren sind die weltweit häufigsten Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen und führen mitunter zu schweren Brechdurchfällen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Rotaviren-Impfung für Babys. Es gibt aber auch Nebenwirkungen. Was Eltern über die Krankheit und den Impfstoff wissen sollten.

Eine Rotaviren-Impfung kann Babys vor schweren Durchfällen schützen.
© Foto: Getty Images/chameleonseye
Eine Rotaviren-Impfung kann Babys vor schweren Durchfällen schützen.

Die Symptome: Wie äußert sich eine Infektion durch Rotaviren?

Sie sind überaus lästig und treffen fast jedes Kind: Magen-Darm-Infektionen mit Erbrechen und Durchfall. Zumeist nur kurze Episoden, die schnell vergessen sind. Einige Erreger jedoch führen mitunter zu schweren und unkontrollierbaren Brechdurchfällen. Die Übeltäter sind dabei nicht selten die sogenannten Rotaviren. Fast jedes Kind leidet bis zu seinem fünften Geburtstag an einer Rotavirus-Infektion. Jährlich sind es in Deutschland bis zu 100.000 Ein- bis Zweijährige. Die Symptome einer Rotavirus-Infektion reichen von leichtem Unwohlsein mit wenigen Durchfällen und Bauchschmerzen bis hin zu einer unkontrollierbaren Diarrhö mit starkem Erbrechen, blutigem Stuhl, Fieber und in Folge erheblichem Wasser- und Salzverlust, der bis zum Organversagen führen kann. Tatsächlich muss etwas die Hälfte aller Erkrankten unter fünf Jahren in einem Krankenhaus behandelt werden, etwa 50 landen pro Jahr sogar auf der Intensivstation. Eine nicht zu unterschätzende Erkrankung also! Dennoch: Ernste Komplikationen lassen sich durch die gute ärztliche Versorgung in Deutschland meist vermeiden – und: Es gibt eine Impfung gegen die meisten Rotaviren!

Die Gefahr der Rotaviren-Infektion bei Babys und Kleinkindern: Dehydrierung!

Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern besteht immer die Gefahr einer Dehydrierung, also dem übermäßigen Verlust von Wasser und Blutsalzen. Diese Komplikation ist vor allem bei den Kleinsten gefürchtet, da sie besonders empfindlich auf ein Ungleichgewicht im Wasserhaushalt reagieren. Denn bis zu zwanzigmaliges Erbrechen und Durchfall sind keine Seltenheit im Rahmen einer Rotavirus-Gastroenteritis, sodass die kleinen Patienten schnell mehr Flüssigkeit verlieren, als sie zu sich nehmen können.

Für Eltern ist es daher wichtig, die Symptome einer beginnenden oder schon vorhandenen Dehydration zu kennen:

  • Anfangs deuten vermehrter Durst, wenig Urin (zum Beispiel in der Windel) oder ungewohnte Antriebslosigkeit auf eine Dehydration hin.
  • Auch trockene Schleimhäute, eine trockene Zunge und eingesunkene Augen signalisieren einen ausgeprägten Wasserverlust.

Sollten solche Anzeichen einer Austrocknung bei kleinen Patienten auftreten, ist ein schneller Besuch beim Arzt angezeigt. Um die verlorene Flüssigkeit rasch zu ersetzen, empfehlen Ärzte spezielle Trinklösungen, die ein angepasstes Maß an Salzen und Zucker enthalten Diese gibt es fertig zum Zubereiten in Apotheken. Fruchtsäfte und gesüßte Tees hingegen haben sich bei Durchfallerkrankungen nicht bewährt und erhöhen nicht die Flüssigkeitsaufnahme.

Was hilft gegen Rotaviren? Hygiene? Impfung? ...

Schon durch den Kontakt mit Spielzeug, dem Wickeltisch oder anderen Kindern können die Erreger übertragen werden. Sie halten sich auf Oberflächen sogar tagelang infektiös. Plus: Rotaviren zeigen sich von handelsüblicher Seife und normalen Desinfektionsmitteln unbeeindruckt. Durch Hygienemaßnahmen ist es also nahezu unmöglich, Kinder vor einer Rotavirus-Infektion zu schützen. Hinzu kommt, dass es verschiedene Rotaviren gibt. Ergo: "Leider schützt auch eine einmalige Erkrankung nicht vor weiteren Infektionen – anders als zum Beispiel bei Masern. Es gibt dafür einfach zu viele verschiedene Typen von Rotaviren. Die Schluckimpfung kann der Erkrankung durch die häufigsten Rotavirus-Typen vorbeugen", erklärt Dr. Hubert Radinger, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Bonn. Aber: "In der Regel nimmt die Schwere der Erkrankung mit der Zahl der Reinfektionen ab; sie können auch ohne Symptome verlaufen", heißt es auf der offiziellen Seite des RKI.

Die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe schützen für mehrere Jahre. Dieser Zeitraum wird von Experten als ausreichend angesehen. Denn die schwersten Komplikationen einer durch Rotaviren verursachten Diarrhö treten meist bei Babys und Kleinkindern auf. Bei der Impfung handelt es sich um eine einfache Schluckimpfung, die der Kinderarzt in der Regel dreimal verabreicht, um den Kleinen einen optimalen Schutz zu bieten. Kinder erhalten die Impfung zumeist zusammen mit anderen Immunisierungen – das erste Mal gewöhnlich im Rahmen der U3.

Nebenwirkungen der Rotaviren-Impfung

Seit Juli 2013 empfiehlt die Ständige Impfkomission (STIKO) allen Säuglingen ab dem Alter von sechs Wochen die Schluckimpfung gegen Rotaviren, die mit einem Applikator säuglingsgerecht in den Mund geträufelt wird. Es handelt sich um einen Lebendimpfstoff, sprich: Er enthält ein unschädlich gemachtes, lebendes Virus. Dieser besteht aus zwei oder drei Dosen (je nach Hersteller) und sollte, wenn möglich, vor der zwölften Lebenswoche verabreicht werden, bis spätestens zum Alter von 24 beziehungsweise 32 Wochen. 

Da das Risiko für Darmeinstülpungen nach der Immunisierung mit dem Alter des Kindes möglicherweise zunimmt, sollte man diese Alterseinschränkung unbedingt einhalten. Dieses Risiko ist allerdings verschwindend gering, vor allem seitdem die Impfung nochmals überarbeitet wurde, und es besteht lediglich vom ersten bis siebten Tag nach der ersten Impfung. Hier sollte das Kind also genau beobachtet werde: Bei blutigem Stuhlgang, starkem Erbrechen oder übermäßigen Bauchschmerzen sollte der Kinderarzt konsultiert werden. Etwas Fieber, Übelkeit mit leichtem Erbrechen und Durchfall können allerdings auch ganz normale und temporäre Impf-Nebenwirkungen sein.

Für Eltern gilt es also abzuwägen, ob die Vorteile einer Impfung deren mögliche Nebenwirkungen übertreffen. Zu bedenken dabei ist, dass Rotaviren zwar die Hauptauslöser für Durchfälle im Kleinkindalter sind. Daneben gibt es jedoch noch eine Vielzahl anderer Erreger, darunter auch Bakterien wie Salmonellen, vor denen eine Impfung nicht schützt. Andererseits reduziert eine Impfung das Risiko eines Krankenhausaufenthaltes für kleine Patienten, denen eine Infektion mit Rotaviren stark zusetzt.

Die Schluckimpfung erfüllt hier eine Doppelfunktion: Sie sorgt für Herdenimmunität, schützt also andere Kleinkinder in der Krippe oder der Spielgruppe, und sie sichert einen guten Immunschutz für die Zukunft.

Mein Kind ist jetzt schon ein Jahr alt. Ist die Gefahr einer Rotavirus-Infektion damit vorbei?

"Auch ältere Kinder – und sogar Erwachsene – können an einer Rotavirus-Infektion erkranken. Doch je kleiner die Kinder sind, desto größer ist durch den Flüssigkeitsverlust die Gefahr der Austrocknung", so Dr. Radinger. "Bei einem einjährigen Kind ist die akute Bedrohung durch Austrocknung aufgrund der Größe des Kindes zwar etwas geringer als noch bei Babys, trotzdem gilt es im Falle einer Infektion, das Kind genauestens zu beobachten. Achten Sie auf die typischen Symptome einer Austrocknung: Wirkt das Kind teilnahmslos? Weint es ohne Tränen, ist die Fontanelle eingesunken, die Zunge trocken oder die Haut nicht mehr rosig? Auch eine Windel, die über einen halben Tag trocken bleibt, oder starker Gewichtsverlust sind Alarmsignale und es ist dann wichtig, so schnell wie möglich einen Arzt oder die Notfallambulanz eines Krankenhauses aufzusuchen."

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