Milcheinschuss: Erste Hilfe für den Still-Start

Stillen ist das natürlichste der Welt!? Ja, trotzdem kann es am Anfang ganz schön holprig laufen. Besonders in den ersten Tagen, wenn der Milcheinschuss kommt, ist so manche frischgebackene Mama überfordert. Was hilft gegen die Schmerzen? Und was kann man tun, wenn die Milch auf sich warten lässt ...

Stillen: Das ist ganz viel Kuscheln, wohlige Wärme und Mamas Nähe. Und nicht zuletzt der Power-Drink fürs frischgeborene Baby. Aber die ersten Stunden und Tage nach der Geburt fühlen sich oft erstmal wie das komplette Gegenteil an. Da wartet ein ganz hungriger Säugling, mit einem noch viel zu kleinen Mund auf Muttermilch, die noch gar nicht wirklich da ist. Das kann schmerzhaft sein. Aber die gute Nachricht: Dranbleiben lohnt sich meist! Denn der Milcheinschuss lässt meistens nicht lange auf sich warten ...

Wann kommt der Milcheinschuss?

Schon in den ersten ein bis zwei Stunden nach der Geburt sollte jede Frau, die stillen möchte, ihr Baby an die Brust legen. Der Hautkontakt ist alles entscheidend für den Still-Start. Denn er schüttet das Liebeshormon Oxytocin aus, das den Milcheinschuss ankurbelt. Die ersten Stunden und Tage wird Kolostrum produziert. Diese gelbliche Vormilch wird in minimaler Menge produziert, hält aber alles Wichtige für den Säugling bereit. Nach ca. zwei bis fünf Tagen tritt dann in der Regel der Milcheinschuss ein.

Ganz wichtig: "Innerhalb der ersten 24 Stunden solltest du dein Kind acht- bis zwölfmal anlegen, auf jeden Fall aber alle vier Stunden, um die Milchproduktion anzuregen. Denn der Milcheinschuss kommt nicht von alleine, sondern durch regelmäßige Stimulation der Brust", erklärt Hebamme Franziska Luck, selbst dreifache Mama mit Still-Erfahrung. "Wenn dein Kind sich häufiger meldet, kein Problem: Ein zu häufiges Anlegen gibt es nicht."

Milcheinschuss schon vor der Geburt?

Es kann sein, dass bereits vor der Geburt schon etwas Milch aus der Brust tröpfelt. Aber hierbei handelt es sich noch nicht um den Milcheinschuss, sondern um eine Art Vor-Vormilch. Die echte Muttermilchproduktion wird so lange hormonell gestoppt, bis das Baby sich auf den Weg macht. Praktisch!

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Schmerzen beim Milcheinschuss: Tipps von der Still-Expertin

Die meisten Frauen würden den Milcheinschuss wohl als unangenehm beschreiben. Manche würden ihn sogar schmerzhaft nennen. Und bei einer Sache sind sich wohl fast alle Neu-Mamas einig: Wow, ich bin plötzlich Dolly Buster! Denn der Körper produziert gerade Muttermilch en masse. Hinzu kommt eine extreme Blutzirkulation und vor allem viel Lymphflüssigkeit – nur logisch, dass die Brüste nun plötzlich sehr groß und prall werden. Und dabei leider ordentlich spannen. Der Busen kann sich auch heiß anfühlen und auf Druck empfindlich reagieren. Einige Frauen mögen jetzt nicht mal mehr Stoff auf ihrer Haut tragen. Aber keine Sorge: "Im Laufe der Zeit pendelt sich die Milchproduktion ein und wird nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage geregelt. Saugt dein Baby viel, produzierst du viel Milch. Saugt das Baby weniger, produziert die Mutter weniger Milch", so Franziska Luck. Nach etwa zwei Wochen ist die Milchproduktion abgeschlossen.

Bis dahin kennt die Still-Expertin hilfreiche SOS-Tricks für schmerzende Brüste:

  • vor dem Stillen die Brust wärmen, z. B. mit einem warmen Waschlappen oder Körnerkissen – so kann die Milch besser fließen
  • nach dem Stillen die Brust kühlen, z. B. mit Quarkwickeln (Achtung schmierig!) oder Kühlpads
  • Kohlwickel nach dem Stillen (Weißkohl im Kühlschrank aufbewahren und vor dem Auflegen mit Nudelholz oder Glasflasche plattrollen, damit der kühlende und vor allem entzündungshemmende Saft aus dem Kohl austritt)
  • Brust ausstreichen nach dem Stillen, bis es nicht mehr spannt (Achtung: Abpumpen regt die Produktion noch zusätzlich an, Ausstreichen nicht)
  • regelmäßig Stillpositionen wechseln, damit die ganze Brust von allen Seiten her leer getrunken wird
  • nicht zu viel Stilltee oder Malzbier trinken – dadurch wird die Milchproduktion zusätzlich angeregt
  • keine engen BHs oder Tops tragen, diese können zum Milchstau führen

Achtung! Bei hohem Fieber (über 38,5 Grad) oder extremen Schmerzen unbedingt Rücksprache mit der Nachsorge-Hebamme halten oder direkt zum Arzt gehen.

Wie lange dauert der Milcheinschuss?

In der Regel dauert der Milcheinschuss einen Tag, manchmal auch zwei oder drei. Dann haben sich die Brüste erholt und die Symptome sind fast wie verflogen. Die Brüste bilden nun die sogenannte Übergangsmilch, bis nach etwa zwei Wochen die reife Muttermilch folgt.

Kein Milcheinschuss – was hilft?

Vorab sei gesagt: Frauen, die eine stressige Geburt hatten, eine Frühgeburt oder einen Kaiserschnitt, müssen meist ein paar Tage länger auf den Milcheinschuss warten. Wenn die Milch aber auch nach einigen Tagen nicht richtig fließen will,  sollte in jedem Fall mit der Wochenbett-Hebamme oder einer Stillberaterin sprechen. Sie können hilfreiche Tipps für den Aufbau einer individuellen Stillbeziehung geben und die ein oder andere Stillposition oder Massagetechnik für die Brust zeigen. Das Allerwichtigste ist aber ganz sicher: Ruhe und Entspannung! Nehmt das Wochenbett ernst und rennt nicht direkt zum Supermarkt oder lasst euch von zu viel gut gemeintem Besuch stressen. Denn, was ihr jetzt wirklich braucht, ist viel Kuschelzeit.

Außerdem können diese Tipps bei zu wenig Muttermilch helfen:

  1. Stilltee trinken
  2. häufiger anlegen
  3. Boxhornkleesamen aus der Apotheke helfen, die Milchmenge zu erhöhen
  4. Malzbier trinken
  5. Zusätzlich Milch abpumpen (auf Rezept vom Gynäkologen kann man in der Apotheke eine elektrische Pumpe kostenlos ausleihen)

Der richtige Still-BH

Hebamme Franziska Luck rät, den Still-BH erst nach etwa zwei Wochen zu kaufen und zwar in einem Fachgeschäft mit Beratung, denn: "Erst nach dem Milcheinschuss ändert sich die Größe der Brust vorerst nicht mehr. Für den Anfang reichen Stilltops und Bustiers."

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Unsere Autorin

Astrid Christians-Gege

Astrid Christians-Gege wird oft gefragt, wie man das als Mama von zweijährigen Zwillingsjungs und einem Vierjährigen so wuppt. Ihre Antwort: Mit starkem Kaffee, einem sehr langen Geduldsfaden und einer gesunden Work-Life-Balance.

Als Redakteurin bei Leben & erziehen lässt sie auch mal den ein oder anderen Tipp einer Dreifach-Jungsmama in ihre Artikel einfließen, aber bitte immer ohne erhobenen Zeigefinger. Denn nichts ist cooler als Mütter, die sich gegenseitig unterstützen. 

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