Grippewelle 2022

Ist eine Grippeimpfung für Kinder sinnvoll?

Der Herbst kommt näher – und damit auch die Hochsaison für Grippeviren. Angesichts der anhaltenden Corona-Epidemie und mit Blick nach Australien raten viele Experten zu einer Grippeimpfung für Kinder. Doch ist das wirklich notwendig?

Ein kleiner Pikser kann verhindern, dass Kinder an Influenza erkranken.
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Ein kleiner Pikser kann verhindern, dass Kinder an Influenza erkranken.

Grippewelle für Kinder und Jugendliche erwartet

August 2022: So langsam neigt sich der Sommer dem Ende, der Herbst steht vor der Tür. Neben einer neuen Corona-Infektionswelle befürchten Experten auch eine Grippewelle, die vor allem Kinder und Jugendliche treffen könnte.

Grund dafür sind aktuelle Zahlen aus Australien, wo gerade Winter ist. Wie das RND berichtet, seien überwiegend Kinder zwischen fünf und neun Jahren erkrankt, etwa 60 Prozent der influenzabedingten Klinikaufenthalte waren Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren.

Inwiefern eine vergleichbare Grippewelle auch bei uns auftreten wird, lässt sich bislang schwer vorhersagen. Viele Ärzte blicken jedoch mit Sorge auf die kalte Jahreszeit.

11. September 2020: Kaum neigt der Sommer sich dem Ende, geht sie los: die Diskussion um die Grippeschutzimpfung. Doch im Jahr 2020 ist vieles anders. Denn angesichts des immer noch grassierenden Coronavirus erscheint die Frage, ob man sich beziehungsweise seinen Nachwuchs impfen lassen sollte, wichtiger denn je. Zum einen, weil die Symptome einer Grippe denen einer Coronainfektion ähneln und man sich durch eine Impfung mögliche Coronatests und ggf. Quarantänezeiten ersparen könnte. Zum anderen, um Risikogruppen wie zum Beispiel Menschen mit Vorerkrankungen oder Ältere sowie das Gesundheitssystem vor Überlastung zu schützen. Denn Kinder sind maßgeblich an der Verbreitung von Grippeviren beteiligt und könnten leicht Eltern und Großeltern anstecken. "Kinder gehören zu den Hauptüberträgern des Influenzavirus", bestätigt Kinder- und Jugendarzt Dr. Klaus Rodens. "Gerade in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen gehen Infekte schnell um." Zudem können Kinder sehr lange ansteckend sein, sodass eine Grippeimpfung durchaus sinnvoll erscheint. So sieht es auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der öffentlich gefordert hatte, in diesem Herbst möglichst viele Kinder gegen Influenza impfen zu lassen.

Was so plausibel klingt, ist jedoch gar nicht so leicht umzusetzen. "In meinem Bundesland (Baden-Württemberg) dürfen auch Nicht-Risikopatienten zu Lasten der Krankenkassen gegen Influenza geimpft werden. Bei Wunsch und Verfügbarkeit des Impfstoffs kann sich also jeder impfen lassen", sagt Dr. Rodens. "Allerdings wird, das ist schon jetzt absehbar, mit ca. 25 Millionen Impfdosen nicht genügend Impfstoff für die Risikogruppen zur Verfügung stehen, für die allein 40 Millionen Impfdosen veranschlagt werden. Dort ist eine Grippeimpfung aber deutlich wichtiger als bei der gesunden Population."

Für wen ist eine Grippeschutzimpfung sinnvoll?

Die offiziellen Impfempfehlungen werden in Deutschland von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI) herausgegeben. Aktuell gibt es keine Empfehlung, Kinder generell gegen Influenza impfen zu lassen. Wie in den Jahren zuvor auch, gibt es eine Empfehlung für bestimmte Risikogruppen. Dazu zählen Personen über 60 Jahren, medizinisches Personal und Pflegekräfte, Schwangere sowie chronisch kranke Patienten mit folgenden Erkrankungen:

  • chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inkl. Asthma)
  • Herz- oder Kreislauferkrankungen
  • Leber- oder Nierenkrankheiten
  • Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten
  • chronische neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose
  • angeborene oder später erworbene Störungen des Immunsystems
  • HIV-Infektion

Dr. Rodens gibt zu bedenken, dass diese Risikogruppen sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen in den letzten Jahren unzureichend geimpft wurden. "Diese Patienten sind dieses Jahr vorrangig gegen Influenza zu impfen", betont er. Dem stimmt auch Kinderärztin Dr. Annette Lingenauber zu: "Ich rate die Impfung allen Kindern, die die Kriterien der STIKO-Empfehlung erfüllen. Darüber hinaus werden wir nicht jedes Kind gegen Grippe impfen können – dazu werden wir keine ausreichende Menge an Impfdosen haben. Wir werden also entscheiden müssen, welche Kinder am stärksten von einer Influenza betroffen sein werden und versuchen, diese zu schützen."

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Influenza-Impfung?

Die Grippesaison startet im Herbst, meistens im Oktober oder November. Wer nicht an Influenza erkranken möchte, sollte sich also vorab impfen lassen, zumal der Körper rund vierzehn Tage braucht, um gegen die Viren gewappnet zu sein. Da Grippefälle aber auch noch im Januar und Februar auftreten können, ist laut RKI auch eine spätere Impfung noch sinnvoll.

Wie wird geimpft?

Kinder können bereits ab sechs Monaten gegen Influenza geimpft werden. Dabei erhalten Säuglinge und Kleinkinder von sechs bis 36 Monaten in der Regel die Hälfte der Dosis eines Totimpfstoffs, der Erwachsenen gespritzt wird. Kinder bis zum neunten Lebensjahr, die noch nie gegen Influenza geimpft wurden, erhalten für gewöhnlich zwei Impfungen des Totimpfstoffs im Abstand von vier Wochen. Für Kinder von zwei bis 17 Jahren steht zudem ein Lebendimpfstoff ("Live Attenuated Influenza Vaccine", kurz LAIV) zur Verfügung, der als Nasenspray verabreicht wird. "In der Schutzwirkung sind der Pikser und die nasal zu verabreichende LAIV-Impfung gleichwertig", so Dr. Rodens. "Allerdings ist dieser Nasenspray-Impfstoff fast doppelt so teuer wie der Injektionsimpfstoff." Eltern sollten daher vorab mit ihrer Krankenkasse klären, ob und welche Kosten übernommen werden.

Wie lange hält die Schutzwirkung einer Grippeimpfung an?

Leider verändern sich Grippeviren jedes Jahr, sodass die Grippeimpfung keinen dauerhaften Schutz bietet. Soll heißen: Die Influenza-Impfung muss jedes Jahr wiederholt werden.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Eine Grippeschutzimpfung wird in der Regel gut vertragen. Da der Körper aber Viren ausgesetzt wird, gegen die er Antikörper bilden soll, kann es zu folgenden Symptomen kommen: Müdigkeit, Fieber, Frösteln oder Schwitzen. Auch die Einstichstelle kann sich röten oder wehtun. Im Normalfall verschwinden die Beschwerden aber nach kurzer Zeit wieder.

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