Kaiserschnittnarbe, Sex, Wochenfluss, Verstopfung

Nach der Geburt: Intime Fragen an die Hebamme

Was alle Mütter nach der Geburt wissen wollen, sich aber nicht direkt zu fragen trauen: von den Schmerzen beim Sitzen bis zum ersten Sex nach der Entbindung.

Die Geburt hast du gut überstanden, Du und dein Baby sind wohlauf. So soll es sein. Und doch gibt es da ein paar Unannehmlichkeiten, über die du gern mit jemandem sprechen würdest – am liebsten unter vier Augen. Die Nachsorgehebamme, die auf Kosten der Krankenkasse ins Haus kommt, kennt sich auch mit Fragen aus dem Intimbereich aus. Und manches lässt sich von Frau zu Frau einfacher ansprechen, sagt die Hebamme Claudia Klüver aus Augsburg. Die 45-Jährige hat selbst zwei Kinder. Ihre Antworten auf die wichtigsten Fragen nach der Geburt:

Das Sitzen tut so weh. Was kann ich tun, damit es besser wird?

Das ist ganz normal. Als erste Hilfe empfehle ich: den Beckenboden entlasten, damit die Schwellung zurückgehen kann. Also möglichst viel liegen statt sitzen. Sie können ihr Baby auch gut im Liegen stillen. Lassen Sie sich von der Hebamme zeigen, wie es geht. Die zweite Empfehlung: kühlen. Legen Sie sich ein kaltes Kirschkernsäckchen, in einen Gefrierbeutel verpackt, zwischen die Beine. Das geht auch mit einem Coolpack in einem Frotteewaschlappen. Aber die Kühlung bitte nicht auf die Blase legen, sonst verkühlen Sie sich die.

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Ich habe jetzt Schmerzen beim Stuhlgang. Was kann das sein?

Bessern sich die Beschwerden nicht, sollten Sie zum Frauenarzt gehen. Vielleicht hat sich beim Pressen während der Geburt eine Hämorrhoide aus dem After gedrückt. Bis zum Termin legen Sie eine Slipeinlage mit etwas Hametumsalbe an die schmerzende Stelle. Oder Sie geben einen Eiswürfel oder ein Wattepad mit einem Klecks gekühltem Quark darauf – das zieht das erweiterte Blutgefäß zusammen. Sorgen Sie für guten Stuhlgang, bleiben Sie auf der Toilette aber nur kurz sitzen und drücken Sie lieber fest als lange.

Seit der Entbindung leide ich an Verstopfung. Was kann ich dagegen tun?

Nehmen Sie weiterhin Eisen? Das kann manchmal Verstopfung begünstigen. Dann hilft es vielleicht, wenn Sie das Präparat wechseln. Oder Sie holen sich das nötige Eisen über die Nahrung, also durch Cashewkerne, Mandeln oder Studentenfutter. Die darin enthaltenen Trockenobststücke liefern wertvolle Energie fürs Stillen und lockern den Stuhlgang auf, wenn Sie ausreichend dazu trinken. Viel trinken ist überhaupt wichtig, weil Sie durch die Hormonumstellung mehr schwitzen. Das Stillen erfordert zusätzlich Flüssigkeit. Sie sollten also mindestens zwei, besser noch drei Liter Wasser oder Kräutertee täglich trinken. Auch Flohsamen aus dem Reformhaus bringen den Darm in Schwung. Trauen Sie sich ruhig mal, selbst mit dem Finger nachzuhelfen, mit einem Einmalhandschuh aus der Drogerie oder Apotheke.

Die Risse in meiner Scheide brennen immer noch. Wie pflege ich sie richtig, damit sie besser heilen?

Ideal wäre ein Bidet. Sie können sich aber auch auf die Toilette setzen, nach vorne rutschen und mit einer kleinen Gießkanne oder Sprudelflasche klares, lauwarmes Wasser zwischen die Beine gießen. Dann klemmen Sie sich vorsichtig ein kleines Gästehandtuch zwischen die Beine. Sobald es nicht mehr tropft, können Sie den Schambereich gefahrlos mit kühler Luft trockenföhnen.

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Ab wann ist Sex wieder erlaubt?

Die alte Regel "Erst nach sechs Wochen, wenn der Wochenfluss abgeklungen ist" gilt nicht mehr. Nach etwa drei Wochen sind die Mikrorisse in der Scheide abgeheilt. Dann dürfen Sie mit Ihrem Partner schlafen, sobald Sie Lust haben. Bitte daran denken: Sie können jetzt schon wieder schwanger werden.

Meine Kaiserschnittnarbe fühlt sich so merkwürdig an. Was kann ich tun, damit sie schnell heilt?

Anfangs ist sie pelzig wie ein eingeschlafener Fuß. Das gibt sich nach einigen Monaten. Nach zehn Tagen ist die Narbe meist schon zu. Dann bricht sie nicht wieder auf. Massieren Sie sie ein- bis zweimal täglich kräftig mit kleinen, kreisenden Bewegungen. Das macht die Narbe schön weich, fördert die Durchblutung und belebt dadurch die Nerven, die bei dem Eingriff verletzt wurden. Für die Massage eignet sich das restliche Dammschnitt-, Weizenkeim-, Johanniskraut- oder Olivenöl bzw. eine spezielle Narbensalbe. Es ist übrigens normal, wenn die Narbe während eines Wetterumschwungs etwas ziept oder juckt.

Ich habe Probleme mit der Blase. Hat das mit meinem Kaiserschnitt zu tun?

Bei der Operation werden oft auch die Nerven der Blase traumatisiert. Dadurch kommt die Meldung, wie voll die Blase ist, nicht im Gehirn an. Eine Reizblase ist die Folge: Die Frauen gehen häufiger zur Toilette als nötig. Dagegen hilft gezielte Beckenbodengymnastik, bei der Sie das Loslassen des Schließmuskels üben. Am besten sprechen Sie Ihren Frauenarzt darauf an.

Wie lange dauert der Wochenfluss normalerweise?

Zwischen drei und sechs Wochen – das schwankt von Frau zu Frau und hängt von der Art der Geburt ab. Bei einem Kaiserschnitt ist der Wochenfluss meist schnell vorbei. Wenn eine Mutter vier Wochen nach dem Kaiserschnitt plötzlich wieder eine ziemlich starke hellrote Blutung hat, könnte das bereits die erste Periodenblutung sein. Eine Rolle spielt auch die Zahl der Geburten. Mit jedem Kind mehr dauert es länger, bis sich die Gebärmutter wieder zusammengezogen hat. Anfangs ist der Wochenfluss hell und rot, dann wird er weniger und bräunlich, schließlich gelb bis weiß. In den ersten Wochen legen die meisten Frauen dicke Nachtbinden ein, in der zweiten Woche normale Binden und ab der dritten Woche genügen meist Slipeinlagen.

Nach dem Kaiserschnitt ging es mir einige Wochen lang ganz gut. Jetzt spüre ich auf einmal ein unangenehmes Ziehen im Unterbauch, die Narbe schmerzt und ich habe Ausfluss. Ist das gefährlich?

Vielleicht haben Sie sich in den letzten Tagen im Haushalt oder anderweitig zu viel zugemutet und Ihr Körper will Ihnen damit zu verstehen geben, dass Sie besser einen Gang zurückschalten. Machen Sie halblang, ruhen Sie sich mittags zwei, drei Stunden aus und halten Sie einen Mittagsschlaf.
Und denken Sie daran: Das erste halbe Jahr sollten Sie nicht schwer heben oder tragen. Bekommen Sie allerdings plötzlich Fieber, Schmerzen im Bauch und übel riechenden Ausfluss, sollten Sie in jedem Fall sofort zum Arzt gehen.

Der Gedanke an Sex ist mir auf einmal eher unangenehm. Was ist bloß los mit mir?

Das geht vielen Frauen so! Für manche ist der erste Sex nach der Geburt so aufregend wie das erste Mal. Nehmen Sie sich Zeit fürs Schmusen und wählen Sie eine Stellung, in der Sie bestimmen können, wo es langgeht. Haben Sie den Eindruck, die Gebärmutter sitzt noch tief oder das Gewebe ist stark geweitet? Dann lassen Sie sich von Ihrem Frauenarzt Beckenbodengymnastik verschreiben. Mit gestärkten Muskeln fühlen Sie mehr und Sex macht wieder Spaß.

Ich werde beim Sex nicht feucht. Was können wir tun?

Das ist ganz normal. Auslöser ist das Stillhormon Prolaktin, das den Östrogenspiegel herabsetzt. Bis sich das normalisiert, können Sie sich mit Gleitgel (Apothekerin, Hebamme fragen) oder einem Kondom mit Gleitfilm behelfen. Bitte nicht zu Pflanzen- oder Babyöl greifen: Das Kondom wird sonst porös.

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