Kaiserschnittnarbe, Sex, Wochenfluss, Verstopfung

Nach der Geburt: intime Fragen an die Hebamme

Was alle Mütter nach der Geburt wissen wollen, sich aber nicht immer direkt zu fragen trauen: von den Schmerzen beim Stuhlgang bis zum ersten Sex nach der Entbindung. Unsere Hebammen antworten.

Die Geburt hast du gut überstanden, Du und dein Baby sind wohlauf. So soll es sein. Und doch gibt es da ein paar Unannehmlichkeiten, über die du gern mit jemandem sprechen würdest – am liebsten unter vier Augen. Die Nachsorgehebamme, die auf Kosten der Krankenkasse ins Haus kommt, kennt sich auch mit Fragen aus dem Intimbereich aus. Und manches lässt sich von Frau zu Frau einfacher ansprechen, sagt die Hebamme Claudia Klüver aus Augsburg. Die 45-Jährige hat selbst zwei Kinder. Auch Hebamme Franziska Luck ist selbst dreifache Mama und bringt ordentlich Know-how und hat keine Scheu vor "unangenehmen" Fragen. Hier kommen die Antworten der beiden Geburts-Expertinnen auf die wichtigsten Fragen nach der Geburt:

Das Sitzen tut so weh. Was kann ich tun, damit es besser wird?

Hebamme Claudia: "Das ist ganz normal. Als erste Hilfe empfehle ich: den Beckenboden entlasten, damit die Schwellung zurückgehen kann. Also möglichst viel liegen statt sitzen. Ihr könnt euer Baby auch gut im Liegen stillen. Lasst euch von der Hebamme zeigen, wie es geht. Die zweite Empfehlung: kühlen. Legt euch ein kaltes Kirschkernsäckchen*, in einen Gefrierbeutel verpackt, zwischen die Beine. Das geht auch mit einem Coolpack in einem Frotteewaschlappen. Aber die Kühlung bitte nicht auf die Blase legen, sonst verkühlt ihr euch."

Ich habe seit der Geburt Schmerzen beim Stuhlgang. Sind das Hämorrhoiden?

Hebamme Claudia: "Bessern sich die Beschwerden nicht, sollte man zum Frauenarzt gehen. Vielleicht hat sich beim Pressen während der Geburt eine Hämorrhoide aus dem After gedrückt. Bis zum Termin am besten eine Slipeinlage mit etwas Hametumsalbe* an die schmerzende Stelle legen. Oder einen Eiswürfel oder ein Wattepad mit einem Klecks gekühltem Quark daraufgeben – die Kälte zieht das erweiterte Blutgefäß zusammen. Jetzt sollte man für guten Stuhlgang sorgen: Bitte nur kurz auf der Toilette sitzen und lieber fest als lange drücken."

Seit der Entbindung leide ich an Verstopfung. Was kann ich dagegen tun?

Hebamme Claudia: "Eisen-Präparate begünstigen manchmal eine Verstopfung. Dann hilft es vielleicht, wenn man den Hersteller wechselt. Oder die Darreichungsform. Die Apotheke berät hier gern. Oder man holt sich das nötige Eisen direkt über die Nahrung, also durch Hafer- und Hirseflocken, Cashewkerne, Mandeln oder Studentenfutter. Die darin enthaltenen Trockenobststücke liefern wertvolle Energie fürs Stillen und lockern den Stuhlgang auf, wenn man ausreichend dazu trinkt. Viel trinken ist überhaupt wichtig, weil frischgebackene Mütter durch die Hormonumstellung mehr schwitzen. Das Stillen erfordert zusätzlich Flüssigkeit. Also: Mindestens zwei, besser noch drei Liter Wasser oder Kräutertee täglich trinken! Auch Flohsamen aus dem Reformhaus bringen den Darm in Schwung. Und: Traut euch ruhig mal, selbst mit dem Finger nachzuhelfen, mit einem Einmalhandschuh aus der Drogerie oder Apotheke."

Die Risse in meiner Scheide brennen immer noch. Wie pflege ich sie richtig, damit sie besser heilen?

Hebamme Claudia: "Ideal wäre ein Bidet. Sie können sich aber auch auf die Toilette setzen, nach vorne rutschen und mit einer kleinen Gießkanne oder Sprudelflasche klares, lauwarmes Wasser zwischen die Beine gießen. Dann klemmen Sie sich vorsichtig ein kleines Gästehandtuch zwischen die Beine. Sobald es nicht mehr tropft, können Sie den Schambereich gefahrlos mit kühler Luft trockenföhnen. Recht neu sind sogenannte Poduschen* oder auch Intimduschen genannt, die auch sehr empfehlenswert nach einer Entbindung sind."

Warum schwitze ich auf einmal so stark?

Hebamme Franziska: "Egal ob Sommer oder Winter, du schwitzt nach der Geburt wahrscheinlich ähnlich wie bei dem Kraftakt an sich. Natürlich sind hier die Übeltäter die allseits bekannten Hormone. Mache dir also keine Gedanken, wenn du nachts auch mal ein Shirt wechseln musst – das ist völlig normal. Es ergibt durchaus Sinn, ein paar extra Shirts mit ins Krankenhaus zu nehmen, falls auch dich diese Schwitz-Attacken heimsuchen."

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Ab wann ist Sex wieder erlaubt?

Hebamme Claudia: "Die alte Regel 'Erst nach sechs Wochen, wenn der Wochenfluss abgeklungen ist' gilt nicht mehr. Nach etwa drei Wochen sind die Mikrorisse in der Scheide abgeheilt. Dann dürft ihr miteinander schlafen, vorausgesetzt die Lust ist auch da. Bitte daran denken: Ihr könnt auch jetzt schon wieder schwanger werden."

Der Gedanke an Sex ist mir auf einmal eher unangenehm. Was ist bloß los mit mir?

Hebamme Claudia: "Das geht vielen Frauen so! Für manche ist der erste Sex nach der Geburt so aufregend wie das erste Mal. Nehmt euch Zeit fürs Schmusen. Die Frau sollte die Stellung wählen, in der sie bestimmen können, wo es langgeht. Wenn der Eindruck besteht, die Gebärmutter sitzt noch tief oder das Gewebe ist stark geweitet? Dann lasst euch vom Frauenarzt Beckenbodengymnastik verschreiben. Mit gestärkten Muskeln fühlt ihr mehr und der Sex macht wieder Spaß."

Ich werde beim Sex nicht feucht. Was können wir tun?

Hebamme Claudia: "Das ist ganz normal. Auslöser ist das Stillhormon Prolaktin, das den Östrogenspiegel herabsetzt. Bis sich das normalisiert, kann man sich mit Gleitgel (Apothekerin, Hebamme fragen) oder einem Kondom mit Gleitfilm behelfen. Bitte nicht zu Pflanzen- oder Babyöl greifen: Das Kondom wird sonst porös."

Hilfe, ich sehe nach der Geburt immer noch schwanger aus. Ist das normal?

Hebamme Franziska: "Ja, das Baby ist zwar aus dem Bauch raus, aber der Bauch ist noch da. Wie ausgeprägt dein Umfang noch ist, kann dir natürlich niemand vorher sagen. Aber auf einer Wochenbettstation die Schwangeren von den frisch Entbundenen zu unterscheiden, ist mitunter nicht ganz leicht. Dein Körper verändert sich und wächst fast zehn Monate, da ist es nur logisch, dass der Bauch ein bisschen Zeit braucht, bis er wieder "normal" aussieht. Die Gebärmutter ist ein Muskel, der eine unglaubliche Leistung – so wie der Rest deines Körpers – vollbracht hat. Packe also in deine Kliniktasche eine Umstandsjeans anstelle einer normalen Hose ein, denn diese wird mit deinem Restbauch deutlich gemütlicher zu tragen sein."

Meine Kaiserschnittnarbe fühlt sich so merkwürdig an. Was kann ich tun, damit sie schnell heilt?

Hebamme Claudia: "Anfangs ist sie pelzig wie ein eingeschlafener Fuß. Das gibt sich nach einigen Monaten. Nach zehn Tagen ist die Narbe meist schon zu. Dann bricht sie nicht wieder auf. Massiert sie ein- bis zweimal täglich kräftig mit kleinen, kreisenden Bewegungen. Das macht die Narbe schön weich, fördert die Durchblutung und belebt dadurch die Nerven, die bei dem Eingriff verletzt wurden. Für die Massage eignet sich das restliche Dammschnitt-, Weizenkeim-, Johanniskraut- oder Olivenöl bzw. eine spezielle Narbensalbe*. Es ist übrigens normal, wenn die Narbe während eines Wetterumschwungs etwas ziept oder juckt."

Ich habe Probleme mit der Blase. Hat das mit meinem Kaiserschnitt zu tun?

Hebamme Claudia: "Bei der Operation werden oft auch die Nerven der Blase traumatisiert. Dadurch kommt die Meldung, wie voll die Blase ist, nicht im Gehirn an. Eine Reizblase ist die Folge: Die Frauen gehen häufiger zur Toilette als nötig. Dagegen hilft gezielte Beckenbodengymnastik, bei der das Loslassen des Schließmuskels geübt wird. Am besten sprecht ihr euren Frauenarzt darauf an."

Nach dem Kaiserschnitt ging es mir einige Wochen lang ganz gut. Jetzt spüre ich auf einmal ein unangenehmes Ziehen im Unterbauch, die Narbe schmerzt und ich habe Ausfluss. Ist das gefährlich?

Hebamme Claudia: "Vielleicht hast du dir in den letzten Tagen im Haushalt oder anderweitig zu viel zugemutet und dein Körper will dir damit zu verstehen geben, dass du besser einen Gang zurückschaltest. Ruh dich mittags zwei, drei Stunden aus und halte einen Mittagsschlaf.
Und denk daran: Das erste halbe Jahr solltest du nicht schwer heben oder tragen. Bekommst du allerdings plötzlich Fieber, Schmerzen im Bauch und übel riechenden Ausfluss, solltest du in jedem Fall sofort zum Arzt gehen."

Wie lange dauert der Wochenfluss normalerweise?

Hebamme Claudia: "Zwischen drei und sechs Wochen – das schwankt von Frau zu Frau und hängt von der Art der Geburt ab. Bei einem Kaiserschnitt ist der Wochenfluss meist schnell vorbei. Wenn eine Mutter vier Wochen nach dem Kaiserschnitt plötzlich wieder eine ziemlich starke hellrote Blutung hat, könnte das bereits die erste Periodenblutung sein. Eine Rolle spielt auch die Zahl der Geburten. Mit jedem Kind mehr dauert es länger, bis sich die Gebärmutter wieder zusammengezogen hat. Anfangs ist der Wochenfluss hell und rot, dann wird er weniger und bräunlich, schließlich gelb bis weiß. In den ersten Wochen legen die meisten Frauen dicke Nachtbinden ein, in der zweiten Woche normale Binden und ab der dritten Woche genügen meist Slipeinlagen."

Was kann ich gegen diese emotionale Ausbrüche tun? Ich muss so oft weinen ...

Hebamme Franziska: "Schon während der Schwangerschaft fällt es vielen werdenden Müttern schwer, Nachrichten über leidende Kinder zu sehen oder auch die Werbung für Toilettenpapier mit Welpen zu schauen, ohne dabei emotional zu werden. Diese emotionalen 'Ausbrüche' werden nach der Geburt bei vielen Müttern noch extremer. Du wirst in den verschiedensten Situationen sehr emotional reagieren. Ob schöne oder traurige Dinge – du reagierst jetzt etwas intensiver als früher. Viele frischgebackene Mamas gucken ihr Baby an und müssen vor Glück weinen, weil sie ihr Glück nicht fassen können. Lass die Tränen fließen, denn so ist es völlig normal. Keiner wird dir das übel nehmen oder dich als 'schwach' ansehen. Denn du hast einen Menschen "produziert" und geboren – somit hast du wahnsinnige Kraft bewiesen!"

...und diese Ängste und Sorgen?

Hebamme Franziska: "Dass du um dein Baby besorgt bist, ist ein natürlicher Teil deines Mutterinstinkts. Viele Mütter beschreiben, dass es die große Verantwortung ist, die ein Baby mit sich bringt. Bei anderen ist es die Sorge, etwas falsch zu machen und dem Baby zu schaden. Bei einigen Müttern führt es auch dazu, dass sie sich irre Szenarien ausmalen, was alles passieren könnte. Diese neuen Ängste und Sorgen sind völlig normal und gehören einfach dazu. Du wächst in deine Aufgabe als Mutter hinein und lernst mit der Zeit, mit deinen Ängsten und Sorgen um dein Kind umzugehen. "

Zum Weiterlesen: "101 Dinge, die in keinem Elternratgeber stehen"

Mit ihrem Buch "101 Dinge, die in keinem Elternratgeber stehen" will die Autorin Silke Schröckert allen Eltern Mut machen. Als Mutter von zwei Kindern weiß Silke, dass der Begriff "normal" in der Schwanger- und Elternschaft ein sehr dehnbarer Begriff ist. Sie schreibt über eigene Erlebnisse aus ihrem Familienleben, die beweisen: Das Leben mit Kindern ist unplanbar, chaotisch – und rundum wunderbar.

Eins ist sicher, weiß Silke: So wie ihr euch das Elternsein dank Filmen, Instagram- und Twitter-Posts vorstellt, ist es nicht. Deshalb schreibt sie zusammen mit zehn Gastautoren und -autorinnen in ihrem Buch "101 Dinge, die in keinem Elternratgeber stehen" nicht darüber, wie euer Familienleben laufen sollte, sondern wie die Realität aussieht. Mal brüllend komisch, mal emotional und ernst, auf jeden Fall aber immer absolut ehrlich ist dieser wundervolle Einblick ins Elternleben, wie es wirklich ist.

"101 Dinge, die in keinem Elternratgeber stehen: obwohl sie so wichtig, witzig und wunderbar wohltuend sind!"* von Silke Schröckert (16,95 Euro, Junior Medien, z.B. via Amazon).

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