Zum Arzt – oder nicht?

13 Symptome, die ihr bei eurem Kind nicht ignorieren solltet

Gerade frischgebackene Eltern machen sich häufig Sorgen um ihr Baby, wenn es Symptome wie Schnupfen, Husten, etwas Fieber oder Durchfall hat. Sollte das Kind gleich zum Arzt? Nicht immer ist das notwendig. Aber lest hier, welche Warnsignale unbedingt eine ärztliche Untersuchung erfordern.

Euer Kind schreit, ist quengelig, hat vielleicht Schnupfen oder Husten: Für besorgte Eltern ist gerade zu Beginn einer Erkrankung schwer zu unterscheiden, ob es sich lediglich um harmlose Symptome – zum Beispiel durch eine Erkältung – handelt und ab wann sie mit dem Säugling oder kleinen Kind zum Arzt müssen. Hinzu kommt, dass das Kind in den ersten Lebensjahren oft noch nicht selbst sagen bzw. einschätzen kann, wie es sich fühlt. Doch es gibt einige Anzeichen, die euch verraten, wann ihr mit eurem Kind einen Arzt aufsuchen solltet.

Anzeichen für eine harmlose Erkältung beim Baby oder Kleinkind

Schläft euer Kind mehr als sonst und isst weniger als normal, können das erste Anzeichen einer Erkältung sein – es wirkt erschöpft. Oft sind Babys und kleine Kinder bei Krankheit und Fieber weinerlich, verlangen nach viel Aufmerksamkeit und wollen ständig getragen werden. An folgenden Symptomen erkennt ihr eine (meist harmlose) Erkältung:

  • Schnupfen: Anfänglich setzt meist eine verstopfte Nase dem Baby zu. Das kann dazu führen, dass der Säugling beim Stillen nicht mehr gut saugen und trinken kann oder ältere Kinder Brei sowie die Flasche meiden. Die Nahrungsaufnahme wird durch die verstopfte Nase anstrengend und es kommt vermehrt zum Verschlucken der Nahrung. Ein paar Tage, an denen euer Baby weniger isst, sind erst einmal nicht tragisch – so lange euer Kind genügend trinkt und gut mit Flüssigkeit versorgt ist. Das könnt ihr daran erkennen, dass die Windel regelmäßig nass ist. Sobald die Nase läuft und der Schleim dickflüssiger wird, ist der Schnupfen richtig ausgeprägt. Ist der Schleim gelblich bis grünlich, handelt es sich häufig um eine bakterielle Infektion, ein typisches Anzeichen für eine Erkältung.

  • Husten: Oft geht eine Erkältung beim kleinen Kind oder Baby mit Husten einher. Dieser kann von trockenem Husten in produktiven Husten mit dickflüssigem Schleim übergehen. Wichtig ist, dass der zähe Schleim sich löst und euer Kind ihn gut abhusten kann, damit dieser sich nicht in den Atemwegen festsetzt und womöglich zu chronischem Husten wird.

  • Halsschmerzen: Trockener Husten kann Halsschmerzen auslösen. Möglicherweise kommen dadurch Beschwerden beim Schlucken hinzu. Wenn euer Baby wenig isst, aber dafür viel Durst hat, kann das also an den Halsschmerzen liegen und ist ein weiteres Symptom der Erkältung. 

Solltet ihr einen Arzt aufsuchen, wenn euer Kind erkältet ist?

Generell ist ein Arztbesuch nicht unbedingt notwendig, wenn es sich um eine "normale" Erkältung handelt. Oftmals sind Kinderarztpraxen gerade im Herbst und Winter (und zu Corona-Hochphasen!) ein unnötiger Ansteckungsherd für weitere Krankheiten. Die können vermieden werden. Denn: Oft helfen schon einfache Hausmittel wie zum Beispiel Nasentropfen aus Salzwasser für die verstopfte Nase, Hustensaft für den festsitzenden Husten oder Spaziergänge an der frischen Luft. Und natürlich viel Schlafen und viel Kuscheln. Sollten die Symptome jedoch nach etwa einer Woche nicht deutlich besser werden, ist es sinnvoll, euer Kind von einem Arzt untersuchen und gegebenenfalls gezielt behandeln zu lassen.

Grippe oder Erkältung?

An den Symptomen lässt sich eine echte Grippe (Influenza) für Laien kaum von einer Erkältung (grippaler Infekt) unterscheiden. Abhängig davon, wie schwer das Kind erkrankt ist, treten bei beiden leichte oder heftigere Halsschmerzen, Schnupfen, Reizhusten und Kopf- und Gliederschmerzen auf. Kinder fühlen sich dann oft unwohl und quengeln. Aber: Bei einer Grippe setzen die Symptome meist ganz plötzlich ein und fallen heftiger aus als bei einer Erkältung. Insgesamt dauert die Erkrankung länger und wird in den meisten Fällen von hohem Fieber begleitet. Da heißt es: ausruhen und schlafen. Klar, dass man einem Kleinkind keine Bettruhe verordnen kann. Das macht aber gar nichts, weiß der Stuttgarter Kinderarzt Dr. Peter Rasspe: "Bei Grippe oder Erkältung müssen Kinder nicht unbedingt das Bett hüten. Sie können auch zu Hause spielen, allerdings sollte es dabei ruhig zugehen." Hat das Kind Fieber, darf es ohnehin nicht in den Kindergarten – es besteht Ansteckungsgefahr. Wirkt das Kind trotzdem schlapp oder klagt über Schmerzen, gehen Eltern besser zum Kinderarzt. Säuglinge und Kleinkinder sollten aber bereits bei den ersten Anzeichen für eine Grippe mit ihren Eltern zum Arzt.

13 Symptome, bei denen euer Kind zum Arzt sollte

Ganz wichtig: Als Eltern solltet ihr stets auf eure Intuition hören. Ihr kennt euer Kind am besten und merkt sicher schnell, wenn es ihm nicht gut geht oder etwas nicht normal ist. Dennoch ist es hilfreich, zur Sicherheit einige Warnsignale zu kennen, bei denen ihr die Unterstützung eines Arztes holen solltet. Im Folgenden findet ihr 13 Warnsignale, bei denen ihr einen Arzt aufsuchen oder gegebenenfalls sogar einen Notarzt rufen solltet.

1. Gelbfärbung der Haut

Wenn sich die Haut beim Säugling in den ersten Tagen nach der Geburt gelb verfärbt, kann das ein Anzeichen für eine Stoffwechselstörung sein. Mögliche Gelbsucht bei Neugeborenen sollte umgehend behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden.

2. Heftiges Erbrechen oder Durchfall

Der oft durch Magen-Darm-Infekte verursachte Flüssigkeitsmangel kann gerade für ein Kleinkind und Babys gefährlich sein. Umso kleiner das Kind ist, desto eher besteht die Gefahr, dass es dehydriert. Erste Warnsignale auf einen Flüssigkeitsmangel sind Schläfrigkeit und eine mehr als zwölf Stunden lang trockene Windel. Bei diesen Anzeichen solltet ihr mit eurem Kind lieber zügig einen Arzt aufsuchen.

3. Euer Baby schreit ungewöhnlich viel

Als Mama oder Papa könnt ihr selbst am besten einschätzen, wie viel Geschrei für euer Baby normal ist. Gerade in starken Wachstumsphasen oder bei Überreizung durch ungewohnte Eindrücke wie Geräusche und Gerüche muss viel Schreien nicht unbedingt ein Signal für eine Krankheit sein. Sollte das Schreien aber sehr lange andauern und euer Kind unruhiger sein als normalerweise, solltet ihr vom Kinderarzt mögliche Ursachen abklären lassen.

4. Euer Baby trinkt nicht, euer Baby hat keinen Hunger

Es ist in Ordnung, wenn ein Kind Phasen hat, in denen es nicht so hungrig ist. Doch Appetitlosigkeit, die über einen längeren Zeitraum anhält und zu einem Gewichtsverlust bei eurem Kind führt, sollte vom Kinderarzt untersucht werden.

Noch viel ernstzunehmender: Das Baby trinkt nicht. Sollte es einen ganzen Tag nicht getrunken haben, keine nasse Windel haben und kein Trick geholfen haben, ab zum Arzt! Dehydrierung kann lebensbedrohlich sein. 

5. Ausschlag und Fieber

Hautreizungen und Ausschläge können unterschiedliche Ursachen haben und sehr plötzlich auftreten. Bei wunder Haut am Po handelt es sich möglicherweise um eine Windeldermatitis. Diese kann schlagartig entstehen und ist dennoch erstmal unbedenklich. Sollte der Hautausschlag mit weiteren Symptomen wie Fieber einhergehen, ist dagegen Vorsicht geboten. Hier solltet ihr einen Arzt um Rat fragen.

Hohes Fieber bei Säuglingen sollte generell von einem Kinderarzt (ab 39 Grad) untersucht werden. Fiebrige Babys und Kleinkinder, die ansonsten gut gelaunt und fit wirken, essen und trinken, müssen nicht sofort zum Arzt. (Mehr Infos zu Fieber, s. Punkt 8.) 

6. Bewusstlosigkeit oder Übelkeit nach einem Sturz

Auch wenn man noch so sehr aufpasst, kann es passieren, dass das Baby vom Wickeltisch, Bett oder Sofa fällt. Anstatt in dieser Schocksituation in Panik zu geraten, ist es jetzt wichtig, einen kühlen Kopf zu behalten. Prüft eindeutige Warnsignale: War das Kind bewusstlos oder musste es erbrechen? Läuft klare Flüssigkeit aus der Nase oder tritt Blut aus den Ohren aus? Diese Anzeichen können auf eine Gehirnerschütterung oder andere gefährliche Kopfverletzungen hindeuten. In diesem Fall solltet ihr schleunigst einen Arzt aufsuchen oder direkt ins Krankenhaus fahren.

Buchtipp! Kinderunfälle – was ihr zu Hause tun könnt und wann ihr in die Klinik solltet

Das Kleinkind steckt sich eine Murmel in die Nase. Die Tochter kriegt beim Spielen im Wald einen Ast ins Auge. Der Sohn knallt auf dem Trampolin mit seinem Kumpel zusammen … Kinder tun sich ständig weh, manchmal ziemlich übel. Der erste Impuls vieler Eltern: Ab in die Klinik! Dabei sind die meisten Verletzungen gar keine echten Notfälle. Die Folge: überlastete Notaufnahmen und auf allen Seiten zum Zerreißen angespannte Nerven.

Genau das wollen die Kinder-Docs Benedict-Douglas Sannwaldt und Till Rausch mit ihrem neuen Buch ändern. Es soll Eltern eine Orientierungshilfe für die häufigsten Arten von Verletzungen und Unfällen bieten, um den Ernst der Lage besser einzuschätzen und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Ein Buch zum vorsorglichen Drin-Schmökern, aber auch Schnell-mal-Nachschlagen. Mal hoch emotional, mal extrem dramatisch, zwischendurch sogar urkomisch. In jedem Fall aber immer mit viel Herz und Verständnis für alle Eltern, die sich Sorgen um ihren Nachwuchs machen.

"Verknackst, verschluckt, verbrannt: Wie ihr euren Kids zu Hause helft – und wann ihr in die Klinik solltet" von Till Rausch und Dr. Benedict-Douglas Sannwaldt (191 Seiten, Junior Medien, 18,95 Euro).

7. Probleme beim Atmen

Das Baby bekommt schlecht Luft, atmet röchelnd und kämpft um fast jeden Atemzug? Sollten zudem Lippen und Haut eine bläuliche Farbe annehmen, deutet dies auf einen Sauerstoffmangel hin. Hier solltet ihr schnell Hilfe beim Notarzt oder im Krankenhaus suchen.

8. Fieber bzw. stark erhöhte Körpertemperatur

Zum Thema hohes Fieber empfiehlt Dr. Ulrich Fegeler auf der Webseite "Kinder- & Jugendärzte im Netz", bei einem Kind, das jünger als drei Monate alt ist, ab einer Körpertemperatur vom 38 Grad Celsius zum Arzt zu gehen. Bei älteren Babys ab drei Monaten ist Fieber erst ab 39 Grad Celsius kritisch. Genauso solltet ihr den Arzt aufsuchen, wenn hohes Fieber in Schüben auftritt oder bei einem Kind unter zwei Jahren länger als 24 Stunden anhält. Mit älteren Kindern solltet ihr bei über drei Tage anhaltendem Fieber den Arzt aufsuchen. Die Körpertemperatur misst man beim Baby am besten im Po –  bei älteren Babys, Kleinkinder und Kinder dann auch mit einem speziellen Ohrenthermometer.

9. Krampfanfälle

Durch erhöhte Körpertemperatur oder hohes Fieber werden manchmal Krampfanfälle ausgelöst. Diese können aber auch andere Ursachen haben. Einen Krampfanfall erkennst du am Zucken von Armen und Beinen sowie am Verdrehen der Augen. Euer Kind ist bei dem Krampfanfall nicht mehr ansprechbar und er dauert mehrere Minuten? Dann solltet sofort einen Notarzt zur Hilfe holen.

10. Gerötete Augen

Wenn euer Baby rote, verklebte, wässrige oder eitrig-gelbe Augen hat, handelt es sich eventuell um eine Bindehautentzündung. Da diese sehr unangenehm und vor allem hoch ansteckend ist, solltet ihr damit zum Arzt, am besten sogar direkt zum Augenarzt.

11. Ohrenschmerzen

Wenn sich Sekret aus der Nase im Gehörgang ansammelt, kann dies eine Mittelohrentzündung zur Folge haben. Fasst sich euer Kind während einer Erkältung häufig ans Ohr und klagt über Schmerzen oder weint viel, solltet ihr diesen Verdacht von einem Kinderarzt überprüfen lassen. 

12. Auffälliger Leberfleck

Manche Kinder haben schon von Geburt an Muttermale. Andere entwickeln erst im Laufe der Jahre welche. In jedem Fall sollte man Leberflecken im Auge behalten. Sie sind zwar meistens harmlos, können in sehr seltenen Fällen aber auch ein Anzeichen für Hautkrebs sein. Mit regelmäßigen Screenings beim Dermatologen lassen sich bösartige Leberflecken zum Glück leicht herausfiltern. Geht auf euren Kinderarzt zu, wenn ihr einen Leberfleck entdeckt, der unregelmäßig geformt ist bzw. ausgefranste Ränder aufweist, seine Größe verändert, erhaben ist und/oder unterschiedliche Farben hat. Und ganz wichtig: Kinder immer vor der Sonne schützen – mit Schatten, UV-Kleidung und Sonnencreme!

13. Geschwollene Zunge

Schwellungen im Gesicht, an Lippen und Augen können ein Zeichen für eine allergische Reaktion bzw. einen allergischen Schock sein. Oftmals treten auch Juckreiz und eine schwere Nesselsucht auf. Wenn die Zunge anschwillt, kann die daraus resultierende Atemnot allerdings lebensbedrohlich werden. In diesem Fall: Nicht lange zögern und den Notruf wählen!

Seid auf einen Notfall vorbereitet

Die erste Zeit mit dem Kind ist besonders aufregend. Gerade wenn euer Baby noch kein Jahr alt ist, möchtet ihr alles richtig machen und auf keinen Fall Anzeichen einer Erkrankung übersehen oder versäumen, rechtzeitig eine ärztliche Meinung einzuholen. Dennoch solltet ihr euch nicht verrückt machen. Viele Symptome sind erst einmal nicht gefährlich und ihr könnt sie einige Zeit beobachten. Erst wenn sich dann keine Besserung einstellt, ist der Arztbesuch erforderlich. Es wird euch aber auch kein Arzt abweisen, wenn ihr auf Nummer sicher gehen und seinen Rat schon früher einholen möchtet.

Wichtig ist, dass ihr lebensbedrohliche Anzeichen, wie Dehydrierung, sofort erkennt. Bei einem akuten Notfall wie einem Knochenbruch oder Atemnot solltet ihr nicht zögern und sofort den Notarzt rufen. Legt euch dazu einige Notfalltelefonnummern und -adressen bereit. So könnt ihre eure Zeit mit Kind beruhigt genießen – und im Ernstfall schnell reagieren.

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