Eine Zwillingsmama erzählt ...

Zwillingsschwangerschaft – ein echter Erfahrungsbericht

Unsere Autorin hat Zwillinge im Bauch gehabt, ein Mädchen und einen Jungen. Ihre Erinnerungen an diese Zeit sind rosig. Wenn sie aber genau hinschaut, trügt dieser Blick auch ein wenig. Weil sich ihr Kopf einfach lieber die schönen Dinge gemerkt hat. Und ist das nicht auch super so ... ?!

Mit Ovulations-Tests fing alles an – und selbst DAS ist als romantischer Akt abgespeichert.
© Foto: Michaela Thewes
Mit Ovulations-Tests fing alles an – und selbst DAS ist als romantischer Akt abgespeichert.

"Meine Kugelbauchzeit war soooo schön!" Wirklich?

Wenn ich euch die Stichworte "Kindheit" und "Sommer" zuwerfe: An was denkt ihr dann? Lasst mich raten: An Urlaube am Strand. Nachmittage im Freibad, Garten oder See. An Kartoffeln im Lagerfeuer und daran, dass die Kugel Eis noch 50 Pfennig kostete (und wir sie tatsächlich in einer anderen Währung bezahlten als heute).

Woran ihr höchstwahrscheinlich im ersten Moment nicht denkt: Die Mückenplage beim Campen damals. Die Schmerzen, als ihr auf der Blumenwiese in eine Wespe getreten seid. Wie die Haut sich nach eurem ersten Sonnenbrand pellte und dass euer Kinderzimmer im Dachboden an den langen Julitagen schlicht zu heiß zum Einschlafen war.

Der Babybauch mit Zwillingen: Mega-Murmel und Beulen-Alarm

Genau so geht es mir mit meiner Schwangerschaft: Wenn ich an die Zeit denke, in der meine Zwillinge Elli und Theo noch in meinem Bauch wohnten, dann beginnt mein Hirn, herrlich harmonische Harfenmusik zu spielen, mein Herz schlägt Purzelbäume, mein ganzer Körper wird warm. Dann denke ich an das Glücksgefühl, das mich durchströmte, als der Arzt mir sagte, dass diese Pünktchen auf dem Ultraschallbildschirm tatsächlich zwei kleine Menschen sind. Daran, wie mein Bauch wuchs und wuchs, wie mein Mann mir jeden Abend die Megamurmel küsste und mit den Babys sprach. Und wie die beiden sich bewegten, sich gegenseitig hin und her zu schubsen schienen. Wie lustig dabei die Bauchbeulen von außen aussahen.

© Foto: Michaela Thewes
Mit Riesenbauch vor der Doppelwiege: Wenige Tage nach dieser Aufnahme kamen die ersten Wehen.

Schonungslose Schwangerschaftsbeschwerden

Woran ich nicht denke, sind die unzähligen Übelkeitsattacken in den ersten Wochen. Wie ich mich zum Kotzen im Büroklo einschloss und versuchte, mich möglichst leise zu übergeben, damit die Kollegen nichts mitbekommen. Dass ich zur Schwangerschaftshalbzeit diesen Ausschlag bekam, der mein Dekolleté in einen einzigen Streuselkuchen verwandelte. Die zwei Pickel in meinem Gesicht, die einfach die gesamte Schwangerschaft unbedingt miterleben wollten und nicht bereit waren, vor der Geburt das Zeitliche zu segnen. An die Wassereinlagerungen in meinen Beinen, die meine einst so durchtrainierten Läuferwaden in unansehnliche Nilpferdstampfer verwandelten.
Nicht zu vergessen die miesen Leberwerte in den letzten Wochen der Schwangerschaft, die dafür sorgten, dass mein ganzer Körper juckte wie verrückt und mir nicht nur Tränen in die Augen, sondern mich auch an den Rand des Nervenzusammenbruchs trieben.

Die Herausforderungen des Mamawerdens

Nie zuvor in meinem Erwachsenenleben war das Gefühl des totalen Kontrollverlustes intensiver als in der Zeit der Schwangerschaft – und das war für mich als kleiner Kontrollfreak die vielleicht größte Herausforderung am Mamawerden: Zu merken, dass ich rein gar nichts tun kann gegen das, was da mit mir passiert. Na klar: Wir können uns gesund ernähren, auf Zucker verzichten, uns bewegen, viel trinken und zweimal pro Woche Fisch essen, um für die nötigen Omega-3-Fettsäuren zu sorgen. Doch der Rest passiert. Der einen mehr, der anderen weniger. Die Hormone spielen verrückt, die Embryos und späteren Föten werden in unserer Mitte zu Menschen – und unser Körper versucht, diesen Prozess mit aller Macht zu wuppen. Und verändert sich eben. Wird nicht nur dicker, sondern macht mitunter (wie bei mir) auch sehr seltsame Dinge.

Die gute Nachricht ist: Die allermeisten Veränderungen sind zeitlich begrenzt. Das Kotzen hörte irgendwann auf, der Streuselkuchen verschwand kurz nach der Geburt, selbst die zwei Gesichtspickel hatten die Lust verloren, mich zu nerven. Inzwischen sind sogar meine Läuferwaden wieder da.

© Foto: Michaela Thewes
Schlafen gegen die Sorgen: In diesen Stunden in der Klinik war unklar, ob die Zwillinge früher geholt werden müssen.

Eine Schwangerschaft verändert den Körper

Die auf den ersten Blick nicht so gute Nachricht: Einige Spuren bleiben, und sind vielleicht mit schönen Filtern für unsere Instagram-Bubble unsichtbar – aber für uns selbst nicht zu leugnen. Wenn ich bei voller Beleuchtung im Bad einen Blick in den Spiegel werfe und meinen nackten Körper betrachte, sehe ich Rundungen, die vor den Babys schlicht nicht da waren. Ich bin gar nicht so weit entfernt von meinem Ausgangsgewicht vor der Schwangerschaft, und trotzdem ist die Figur eine andere. Ich sehe auch meine Kaiserschnittnarbe, die zwar klein ist, aber immer da sein wird. Ich bin trotz all dem nicht unzufriedener als vorher mit mir.

Ganz im Gegenteil. Ich habe meinen Körper durch das Mamawerden anders, besser kennengelernt, ich bin mit ihm im wahrsten Sinne durch dick und dünn gegangen. Ich habe mit ihm etwas durchgemacht, was für einen unfassbar guten Zweck geschehen ist.

Für immer anders

Wir schaffen in diesen neun Monaten ein neues Leben (oder auch mehrere) – und es wäre ja seltsam, wenn das spurlos an uns vorübergehen würde. Ich bin stolz auf die Spuren, die meine Babys hinterlassen haben. Und am Ende denke ich bei den Stichworten Sommer und Kindheit noch immer an Erdbeereis für 50 Pfennig – und beim Stichwort Schwangerschaft an das Beste, das mir je passiert ist.

Autorin: Claudia Weingärtner

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