Motivation fördern

Lernen lernen: Wie Eltern ihr Grundschulkind unterstützen

Die gute Nachricht: Lernen ist lernbar. Wer sich Wissen clever aneignen kann und dabei Spaß hat, profitiert ein Leben lang davon. Mit diesen Tricks können Eltern helfen.

Mit etwas Spiel und Spaß könnt ihr die Motivation und Neugierde deines Kindes beim Lernen fördern.
© Foto: Getty Images/evgenyatamanenko
Mit etwas Spiel und Spaß könnt ihr die Motivation und Neugierde deines Kindes beim Lernen fördern.

52 Prozent der befragten Schulkinder im Alter zwischen sechs und 13 Jahren haben "nur manchmal" Spaß am Lernen, 18 Prozent sogar "eher selten" oder "nie". Das zeigen Studienergebnisse des Lernportals scoyo.de 

Astrid Lindgren, die berühmteste Kinderbuchautorin aller Zeiten, hat es auf den Punkt gebracht: "Man kann in Kinder nichts hineinprügeln, aber vieles herausstreicheln." Das gilt besonders beim Lernen. Gelingt es euch, bei eurem Kind die Freude am Lernen zu wecken, funktioniert es in der Schule von alleine. Lernen ist heute lebenslänglich gefragt. Es ist die Schlüsselqualifikation schlechthin. Damit es klappt, müssen die Bedürfnisse des Gehirns mit einer raffinierten Mischung aus Herausforderung und Machbarkeit bedient werden. Das Gehirn will sich weder langweilen noch dauerhaft überfordert werden. Außerdem schreit es regelrecht nach Belohnung.

Lernen lernen lässt sich lernen

Erwachsene tun sich oft schwer, das richtige Maß zu finden. Auf der einen Seite gibt es immer mehr Mädchen und Jungen, die zu Hause kaum Fürsorge erfahren und dringend Förderung brauchen, auf der anderen Seite übertreiben Eltern es mit Lernprogrammen für Kleinkinder, um bloß nichts zu verpassen. Dabei ist Lernen keine Geheimwissenschaft. Eltern machen vieles nach Bauchgefühl automatisch richtig, indem sie ihrem Nachwuchs Mut machen, ihn motivieren, Begeisterung wecken, seine Neugier auf Neues fördern und ganz viel loben statt zu schimpfen. Mit zahlreichen einfachen Tricks und Methoden lässt sich das Lernen im Alltag unterstützen. Hier sieben Beispiele:

1. Die richtige Reihenfolge beim Lernen

Euer Grundschulkind trödelt bei den Hausaufgaben herum und lässt sich immer wieder ablenken? Überlegt, was es besonders gut kann. Das soll es zuerst machen. So hat es schnell ein Erfolgserlebnis und kann sich dadurch gestärkt an die größeren Herausforderungen wagen.

2. Clevere Selbstreflexion

Das machen auch Top-Sportler und Berufstätige, wenn sie Großes vorhaben. Regt euer Kind zur Selbstreflexion an. Was ist heute gut gelungen? Was hat dich geärgert? Worüber hast du gelacht? Forscher fanden heraus, dass sich Leistungen um 22,8 Prozent verbessern, wenn man sich jeden Tag 15 Minuten Zeit zum Reflektieren über sich selbst nimmt.

3. Alleine machen lassen

"Ich kann das schon alleine!" Bereits Kleinkinder wollen etwas ganz allein schaffen. Kein Wunder, Erfolg macht schließlich stolz und selbstbewusst. Gebt euren Kindern deshalb so oft wie möglich die Gelegenheit, etwas ohne die Hilfe von Erwachsenen zu machen.

4. Selbst entscheiden lassen

Der Trick ist aus der Psychologie bekannt: Sobald jemand in eine Entscheidung einbezogen wird, leistet er weniger Widerstand. Die Frage ans Kind lautet also nicht: "Möchtest du jetzt mit den Hausaufgaben anfangen?", sondern es bekommt eine Wahlmöglichkeit: "Was willst du zuerst machen: Vorlesen oder Mathe?" Sobald das Kind antwortet, hat es sich selbst in die Pflicht genommen.

5. Lerntrick: spazieren gehen

Diesen Lerntrick wenden Schauspieler häufig an, um Texte auswendig zu lernen. Sie gehen im Zimmer auf und ab oder suchen sich draußen einen ruhigen "Lernweg" mit wenig Ablenkungen. Das Gehen geschieht wie nebenbei, die Konzentration ist nur auf die Lerninhalte gerichtet.

6. Spickzettel schreiben

Beim Test sind Mogelzettel verboten. Das ist klar. Trotzdem sind sie zum Üben eine gute Hilfe: Das Kind muss das Wichtigste erkennen, wiedergeben und auf ein Minimum zusammenfassen. Dabei speichert es die Inhalte und kann sie in der Prüfung leicht abrufen. Der Spickzettel kann dann zu Hause bleiben.

7. Schlaf schön

Schlau im Schlaf? Das funktioniert. Während wir schlummern, arbeitet das Gehirn auf Hochtouren, denn es lernt in der Nacht. Aber bitte ohne künstliche Lichtquellen und ohne Smartphone am Bett. Das blaue Licht von LED-Bildschirmen stört das Schlafhormon Melatonin, was zu Einschlafstörungen führen kann.

Und hier noch mehr Tipps, wie ihr euer Kind zum Lernen motiviert

  1. Überstrapaziert das Wort "lernen" nicht. Andere Begriffe motivieren besser: Sprecht zum Beispiel von entdecken, experimentieren, herausfinden.
  2. Sorgt dafür, dass euer Kind daheim nicht nur Fakten paukt, sondern handlungsorientiert lernt. Je eher Kinder die Fähigkeit erlangen, sich Wissen selbst anzueignen, desto besser gelingt es ihnen, eigenständig zu lernen – das motiviert sie.
  3. Euer Kind hat einen Lieblingsort zum Lernen oder ist abends konzentrierter als nach der Schule? Prima! Ihr solltet eurem Kind selbst überlassen, auf welchem Weg es gemeinsam vereinbarte Lernziele erreicht.
  4. Wer gut Englisch spricht, kann den Lieblingsfilm im Original gucken. Wer gut in Biologie ist, hat die Chance, Tierarzt zu werden ... Sucht Ziele, die euer Kind so toll findet, dass es sich selbst zum Lernen motivieren kann.
  5. Wer mit allen Sinnen lernt, behält bis zu 90 Prozent mehr. Daher sollte man den Gegenstand, dessen Vokabel man gerade lernt, mit allen Sinnen "begreifen". Also anschauen, anfassen und benutzen.
  6. Digitale Medien vermitteln Lerninhalte spielerisch und sprechen verschiedene Sinne gleichzeitig an. Das macht Spaß. Viele digitale Lernangebote sind auf die Lehrpläne der Schulen angepasst und eignen sich gut zur Wiederholung. Die Bildschirmzeit sollte natürlich begrenzt sein.
  7. Wiederholt den Lernstoff auch mal beiläufig im Alltag: anhand von aktuellen Ereignissen oder mit Beispielen aus der Interessenswelt eurer Kinder.
  8. Immer nur eine erfolgreiche Klassenarbeit oder für erledigte Hausaufgaben zu loben, ist langweilig. Lobt euer Kind stattdessen auch in Momenten, in denen es nicht damit rechnet. Das steigert das Selbstbewusstsein und die Motivation.
  9. Ausflüge in die Natur oder Museen machen trockenen Schulstoff lebendig. Wenn möglich, plant solche Ausflüge mit der ganzen Familie ein und nehmt passende Schulunterlagen mit: So wird Lernen zum Abenteuer.
  10. Macht einen Rollentausch: Lasst euch von eurem Kind erzählen, was es gerade gelernt hat. Interessierte Nachfragen ermutigen es, euch etwas beibringen zu können.

Diese Tipps zeigen, dass Lernen mehr sein kann als nur sture Paukerei. Auch der Alltag bietet eine Menge Anregungen und Kinder lieben es, gemeinsam mit ihren Eltern Neues zu entdecken.

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