Unbedingt checken

Schwangerschaftsdiabetes: Ursache, Anzeichen und Therapie

Wir haben einen Experten befragt, was es mit Schwangerschaftsdiabetes auf sich hat. Alles, was ihr rund um Anzeichen, Ursache und Behandlung wissen müsst, lest ihr hier.

Die Werte bei einem Schwangerschaftsdiabetes lassen sich ganz einfach zu Hause selbst checken.
© Foto: Getty Images/Filippo Bacci
Die Werte bei einem Schwangerschaftsdiabetes lassen sich ganz einfach zu Hause selbst checken.

Lieber Herr Dr. Segiet, können Sie uns kurz erklären, was Schwangerschaftsdiabetes eigentlich ist?

Das körpereigene Hormon Insulin sorgt dafür, dass der Zucker aus der Nahrung in die Zellen transportiert wird. Während einer Schwangerschaft ist der Körper großen Anstrengungen ausgesetzt und der Hormonhaushalt verändert sich deutlich. Dabei können Schwangerschaftshormone auf der einen Seite die Wirkung von Insulin hemmen, während auf der anderen Seite der Bedarf an Insulin steigt. Kann der Körper in dieser Situation nicht mehr genügend Insulin produzieren oder reagieren die Zellen nicht mehr darauf, kann der Zucker nicht mehr in die Zellen wandern. Dies führt zu dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten. Man spricht dann von einem Schwangerschaftsdiabetes – in der Fachsprache auch Gestationsdiabetes genannt.

Kann man einem Gestationsdiabetes vorbeugen?

Gesunde und ausreichend Bewegung – täglich circa 30 bis 40 Minuten moderater Sport oder auch Spazierengehen – senken das Diabetesrisiko. Auch der Vitamin-D-Spiegel kann ausschlaggebend sein. Ist dieser auffällig niedrig, steigt die Gefahr, an Diabetes zu erkranken. Deshalb ist es wichtig, den Vitamin-D-Spiegel über einen Bluttest frühzeitig bestimmen zu lassen und einen möglichen Mangel auszugleichen.

Welche Ursachen gibt es?

Gestationsdiabetes kann grundsätzlich bei jeder Schwangerschaft auftreten. Dennoch gibt es bestimmte Faktoren, die das Risiko deutlich steigern. Dazu zählen unter anderem zunehmendes Alter der Mutter, Übergewicht, Bluthochdruck, ein ungesunder Lebensstil, familiäre Vorbelastung sowie Gestationsdiabetes bei früheren Schwangerschaften.

Wie findet man heraus, ob man einen Schwangerschaftsdiabetes hat? Welche Werte bewegen sich noch im Normalbereich?

Schwangerschaftsdiabetes weist in der Regel keinerlei Anzeichen oder Symptome auf und wird mit einem Zuckerbelastungstest nach standardisierten Bedingungen beim Frauenarzt oder Diabetologen diagnostiziert. Hierzu wird in der Praxis der Blutzuckerwert in drei zeitlichen Abständen bestimmt. Der erste Test erfolgt nüchtern, der zweite Test eine Stunde und der dritte Test zwei Stunden später, nachdem die Schwangere eine Zuckerlösung getrunken hat. Sollte einer der drei gemessenen Werte die definierte Norm übersteigen, wird von Schwangerschaftsdiabetes gesprochen. Nach der Norm sollte der Blutzuckerwert im nüchternen Zustand 92 mg/dl nicht übersteigen. Nach einer Stunde sollte der Wert bei maximal 182 mg/dl liegen und nach zwei Stunden 155 mg/dl nicht übersteigen.

Wie behandelt man Schwangerschaftsdiabetes?

Fällt der orale Glukosetoleranztest positiv aus, wird die betroffene Schwangere zur weiteren Aufklärung und Behandlung an einen Diabetologen überwiesen. Das Ziel der Therapie ist es, die Blutzuckerwerte so zu regulieren, dass sie im vorher festgelegten Zielbereich bleiben. Ob die Blutzuckerwerte im Zielbereich liegen, kontrolliert die Patientin selbstständig, indem sie ihren Blutzucker regelmäßig misst. In rund 80 Prozent der Fälle kann eine gute Einstellung durch gesunde und ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige Blutzuckerwerte erzielt werden. Bei etwa 20 Prozent der Schwangeren mit Gestationsdiabetes bleiben die Blutzuckerwerte dennoch zu hoch. In diesem Fall kann eine Insulintherapie notwendig sein. Die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie sind Selbstkontrolle und Dokumentation der Blutzuckerwerte.

Welche Methode empfehlen Sie, um die Blutzuckerwerte zu Hause selbst zu bestimmen?

Moderne Blutzuckermessgeräte (zum Beispiel der "Accu-Chek Guide"*) ermöglichen der Schwangeren eine präzise und unkomplizierte Messung, die selbst bei Störsubstanzen wie bestimmten Medikamenten sichere Werte liefert. Für die Dokumentation der Blutzuckerwerte bietet sich ein digitales Tagebuch (zum Beispiel "mySugr App") an. Dabei wandern die gemessenen Werte automatisch via Bluetooth in die App und können durch zusätzliche Angaben wie Nährwerte, Insulinangaben oder Mahlzeitenfotos ergänzt werden. Das digitale Tagebuch stellt den Verlauf der Werte grafisch dar und ermöglicht so, Zusammenhänge zwischen dem Lebensstil und den Blutzuckerwerten auf einen Blick zu erkennen. Davon profitieren sowohl die werdende Mutter als auch ihr Arzt, der einen besseren Überblick über den Therapieverlauf gewinnt.

Welche Auswirkungen kann ein Gestationsdiabetes – möglicherweise auch auf das Kind – haben?

Wird Schwangerschaftsdiabetes nicht rechtzeitig behandelt, können die akuten und langfristigen Folgen für Mutter und Kind gravierend sein. Bei der werdenden Mutter kann es unter anderem zu Bluthochdruck, Harnwegsinfektionen, Wassereinlagerungen, einem dauerhaften Typ-2-Diabetes oder Geburtskomplikationen wie beispielsweise einer Frühgeburt kommen. Bei dem ungeborenen Kind können übermäßiges Wachstum im Mutterleib, Fehlbildungen durch eine gestörte Entwicklung der Plazenta oder Atemnot sowie Gelbsucht nach der Entbindung die Folge sein.

Wie geht es nach der Geburt weiter?

Sechs bis acht Wochen nach der Geburt sollte zur Kontrolle der Werte ein weiterer Zuckerbelastungstest beim Diabetologen gemacht werden. Ein wichtiger Tipp: Stillen ist nicht nur für das Baby gesund, sondern senkt auch das Risiko, dass die Mutter mit Schwangerschaftsdiabetes später an Typ-2-Diabetes erkrankt, um rund 40 Prozent. Zudem sollte die frischgebackene Mutter eine gesunde Ernährung mit viel Bewegung beibehalten. Auch dies senkt das Risiko eines späteren Diabetes der Mutter erheblich.

Empfehlen Sie bestimmte Rezepte, nach denen man optimalerweise kocht, wenn man einen Schwangerschaftsdiabetes hat?

Generell empfehlen wir bei einem Schwangerschaftsdiabetes eine ballaststoff- und faserreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Auch komplexe Kohlenhydrate mit viel Vollkorn können bedenkenlos verzehrt werden. Auf Zucker, Süßigkeiten und Weißmehl sollte man hingegen verzichten.

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