Kleine Bücherratten

10 gute Gründe, warum Eltern Kindern vorlesen sollten

Kinder lieben Geschichten. Und sie lieben es, mit ihren Eltern zu kuscheln. Perfekt, wenn man beides verbinden kann: Hier kommen zehn gute Gründe, unseren Kindern mehr vorzulesen.

Was fördert Vorlesen bei Kindern?

Vorlesen macht nicht nur Spaß, sondern es unterstützt auch in vielfacher Hinsicht die Entwicklung des Kindes. Schon 15 Minuten Vorlesen am Tag sind für einen positiven Effekt ausreichend, wichtig ist nur, dass man regelmäßig vorliest. Lesen ist eine Schlüsselkompetenz, während und vor allem auch nach der Schulzeit. Und nichts bereitet Kinder besser darauf vor als Vorlesen, wie Studien der "Stiftung Lesen" zeigen.

1. Vorlesen fördert das Miteinander

Taucht das Kind in die Geschichten ein, lernt es automatisch sich in andere hineinzuversetzen. Es lernt, Verhaltensweisen einzuschätzen und sich sogar anzueignen. So ist Einfühlungsvermögen eine wichtige soziale Kompetenz, die Kinder über das Vorlesen schneller erwerben. Jedes Kinderbuch hat darüber hinaus eine Botschaft oder Moral, die sich Kinder zu eigen machen.

2. Vorlesen schult die Konzentrations- und Lernfähigkeit

Auch wilde Kinder brauchen mal eine Verschnaufpause. Eine gemeinsame Lesezeit hilft ihnen, zur Ruhe zu kommen und ihre Konzentrationsfähigkeit zu schulen. Die Bilder anschauen, genau zuhören, sich Dinge merken, sich in die Figuren hineinversetzen – da läuft eine ganze Menge gleichzeitig ab. Und man darf sich dabei nicht ablenken lassen, sonst verpasst man einen Teil der Geschichte und kommt nicht mehr mit. Eine Herausforderung für ein Kind, die es gut bewältigt, wenn es damit vertraut ist. Daher sollte man auch regelmäßig vorlesen und möglichst anschaulich und unterhaltend lesen, mit verschiedenen Tonhöhen und Betonungen.

3. Vorlesen weckt die Fantasie

Bücher beflügeln die Fantasie. Zu den gehörten Worten bilden sich im Kopf ganz eigene Bilder, schöpfend aus dem Erfahrungsschatz des Kindes. In solche, ganz eigene Welten einzutauchen, fördert die Vorstellungskraft und übt die innere Anschauung.

4. Vorlesen schult das Sprachgefühl

Das Sprachverständnis von Kleinkindern muss sich erst noch entwickeln. Sie müssen den Aufbau und die Struktur der Sprache kennenlernen, sowie ihre unterschiedlichen Laute und Betonungen. Kinder, denen schon früh und regelmäßig vorgelesen wird, bekommen ein Gefühl für die Melodie und den Rhythmus der Sprache und ihren Aufbau und fangen häufig früher an zu sprechen. Sie lernen neue Ausdrücke und prägen sich anspruchsvollere Satzmuster ein, als die, die wir in unserer Umgangssprache verwenden. Wie Studien zeigen, können sich diese Kinder besser ausdrücken, da sie über einen signifikant größeren Wortschatz verfügen. Wem schon früh vorgelesen wird, der entwickelt außerdem später eine bessere Lese- und Schreibkompetenz – die wichtigste Grundlage für das Lernen. Auch zeigen Kinder, denen viel vorgelesen wird, ein größeres Interesse am Lesen als andere Kinder. Lesen und Schreiben fällt ihnen leichter.

5. Vorlesen vermittelt Wissen

Kinder lernen nicht nur neue Wörter durch das Vorlesen, sondern sie beschäftigen sich so auch mit neuen Themen. In den Geschichten, die Eltern auswählen, können auch Themen aufgegriffen sein, die gerade aktuell sind. Wie etwa, wenn ein neues Geschwisterchen kommt, Einschulung oder auch Trennung. Das hilft, mit den Kindern über diese Themen ins Gespräch zu kommen und macht es den Kindern leichter, Fragen zu stellen, die sie bewegen. Geschichten wie Märchen lassen Kinder ihre Wünsche und auch Ängste verarbeiten. Sie können innere Konflikte bewältigen oder lernen auch ganz neue Themen spielerisch kennen. Anhand von Bilderbüchern können Eltern ihrem Kind Dinge zeigen und erklären, die es im Alltag so nicht zu sehen bekäme.

6. Vorlesen erzeugt Nähe

Beim Vorlesen nimmt man sich Zeit für das Kind. Am besten liest es sich in einer ruhigen Atmosphäre. Auf dem Sofa, eingekuschelt in eine Decke. Oder abends im Kinderbett vor dem Schlafen. Der Klang der Stimme und die körperliche Nähe vermitteln dem Kind Geborgenheit und Vertrauen und das Kind bekommt dazu ungeteilte Aufmerksamkeit. Es wird Vorlesen immer mit Zuwendung und Geborgenheit verbinden. Was gibt es Schöneres für ein Kind!

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7. Vorlesen macht Spaß

Das Vorlesen kann jederzeit unterbrochen werden. Durch Fragen oder einfach mal gemeinsames Lachen. Man kann auch kleine Späße einbauen, das lieben Kinder. Etwa, wenn man einfach mal den Namen des Kindes einsetzt. Oder aber besonders merkwürdig betont oder den Figuren sehr lustige Stimmen verleiht.

8. Vorlesen geht in jedem Alter

Je früher das Vorlesen zum Alltag zählt, desto besser. Dabei kann man austesten, wie lange das Kind jeweils "durchhält". Das ist sehr unterschiedlich. Manche Kinder können schon früh größere Textmengen verarbeiten, andere brauchen mehr Bilder, um der Geschichte folgen zu können. Das hängt sicher auch mit dem ausgewählten Buch zusammen und dem Interesse des Kindes an dem Thema. Interaktive Bücher können auch helfen, das Interesse des Kindes zu wecken. Klappen, Laschen und andere bewegliche Elemente helfen den Kindern, die Abbildungen auch haptisch zu erleben und im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.

9. Vorlesen schafft Rituale

Wann man vorliest, spielt keine große Rolle. Nach dem Mittagessen, vor dem Schlafengehen – wann es am besten passt. Wichtig ist nur, dass man sich beim gemeinsamen Lesen richtig Zeit und Ruhe dafür nimmt, sich auf das Kind einzulassen. Wichtig ist manchmal auch, mit dem Kind über die Geschichte zu sprechen und geduldig Fragen zu beantworten, die sich für das Kind daraus ergeben. Am besten liest es sich auf der Coach oder im Bett. Oder auf einer gemeinsam gebauten Kissenburg oder in einer Spielhöhle. Hauptsache gemütlich. Auch feste Vorlesezeiten sind bei Kindern beliebt. Denn Kinder lieben Rituale. Und so wissen sie verlässlich, dass zu einer bestimmten Zeit am Tag Geschichtenkuschelzeit ist.

Welches Buch gelesen wird, sollte das Kind selbst bestimmen. Auch, wenn es immer das gleiche Buch ist. Kinder mögen das sehr auf diese Art tief in die Geschichte einzudringen. Ein gemeinsamer Ausflug in die Bücherei macht Kindern oft richtig Spaß. Ein Haus voller Geschichten – dort kann man gemeinsam stöbern und beobachten, welche Bücher das Kind anspricht.

10. Vorlesen schafft Leser

Hörspiele und Hörbücher können das Vorlesen nicht ersetzen, da dort die persönliche Bindung durch das gemeinsame Lesen fehlt. Zudem kann man beim Vorlesen das Tempo, in dem die Inhalte aufgenommen und verstanden werden, selbst bestimmen, bzw. das Kind bestimmen lassen. Auch für Fragen kann das Lesen jederzeit unterbrochen werden. In einem hektischen Alltag führt das Vorlesen zu einem Moment der Ruhe und Entspannung.

Doch tatsächlich lassen sich auch digitale Medien für das Vorlesen nutzen: So bieten beispielsweise Apps eine Art digitale Bibliothek, wie das kostenlose "Einfach Vorlesen!" der Stiftung Lesen (Download: www.einfachvorlesen.de). Ist die passende Geschichte nicht gleich zur Hand, findet man in diesem digitalen Bücherschrank nach Alter geordnet eine große Auswahl und jede Woche kommen drei neue Geschichten hinzu. Praktisch auch für unterwegs, wenn man gerade kein Buch zur Hand hat.

Digitale Vorlesestifte wie TipToi oder BOOKii ermöglichen dem Kind, Bücher auf eigene Faust zu erkunden. Was wegfällt, ist das Kuscheln und die Interaktion mit den Eltern. Das trifft auch auf die Vorlese-Eule "Luka" zu. Sie verfügt über eine gespeicherte Bibliothek von hunderten Büchern. Das Kind benötigt diese Bücher real, um die Eule zu aktivieren. Schlägt es eines dieser Bücher auf, erkennt die Eule das Buch und beginnt genau auf der aufgeschlagenen Seite vorzulesen. Auf der dazugehörigen App können Eltern die Leseaktivität nachverfolgen. Und wenn mal wirklich keine Zeit zum selber Vorlesen ist, ist die Eule sicher ein besserer Ersatz als der Fernseher.

Vorlesen ist die beste Investition in die spätere Lesefähigkeit von Kindern. Wenn schon die Allerkleinsten erleben, dass ihre Eltern Spaß an Büchern haben, verbinden sie später Lesen mit schönen Erinnerungen. Dadurch erhöht sich auch ihr Interesse an Büchern und Heften.

Autorin: Sonja Wickmann

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