Reproduktionsmedizin

Alles über die Methoden und den Ablauf einer künstlichen Befruchtung

Wer ungewollt kinderlos ist, hat die Möglichkeit mit einer reproduktionsmedizinischen Behandlung noch einen Versuch für die Gründung einer eigenen Familie in Betracht zu ziehen. Es gibt unterschiedliche Methoden der künstlichen Befruchtung, die in der Regel verschiedene Einzelschritte beinhalten. Welche Methoden es gibt – und wie die Abläufe sind, erfahrt ihr hier. 

© iStock/Dobrila Vignjevic
Bei einer künstlichen Befruchtung beinhaltet der Ablauf unterschiedliche Einzelschritte.

Laut des Bundesministeriums für Familie ist in Deutschland fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Um sich den Wunsch von der eigenen Familie dennoch erfüllen zu können, denken einige darüber nach, medizinische Hilfe anzunehmen. Eine reproduktionsmedizinische Behandlung kann eine Belastung für Körper, Seele und auch die finanzielle Lage darstellen. Aber im besten Fall auch das gewünschte Kinderglück bringen. Welche Methoden der künstlichen Befruchtung es gibt, wie sie abläuft – und alle weiteren Fragen klären wir hier. 

Welche Methoden der künstlichen Befruchtung gibt es?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung. Obwohl im umgangssprachlichen Gebrauch mit dem Begriff "künstliche Befruchtung" meist die In-vitro-Fertilisation (IVF) gemeint ist, ist diese doch nur eine von mehreren Methoden. Wird über die ganze Bandbreite der Möglichkeiten zur künstlichen Befruchtung gesprochen, so ist der korrekte Fachbegriff dazu "assistierte Reproduktionstechnik" (ART).

Die unterschiedlichen Methoden verfolgen jedoch das gleiche Ziel: Eizelle und Spermium soll nachgeholfen werden, leichter und erfolgreich zusammenzufinden und zu verschmelzen. Welche Form der künstlichen Befruchtung für wen geeignet ist, ist individuell unterschiedlich und gemeinsam mit einem Arzt zu diagnostizieren.

Hier bekommt ihr eine Übersicht der gängigsten Methoden mit jeweiliger Beschreibung des Ablaufs:

1. In-vitro-Fertilisation (IVF)

Wie funktioniert eine In-vitro-Befruchtung?

Bei dieser Behandlung findet die Befruchtung "künstlich" im Labor statt – also außerhalb des Körpers der Frau. Die IVF ist eine der ältesten Methoden künstlicher Befruchtung und kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn die Frau unter einer der folgenden Einschränkungen leidet: 

  • Eileiterverschluss
  • Endometriose
  • Antikörper gegen die Samenzellen des Partners
  • Unzulängliche Samenqualität des Partners

Die Behandlung umfasst verschiedene Einzelschritte und dauert mehrere Wochen. 

Der Ablauf einer IVF-Behandlung

  • Hormonbehandlung: Zugeführte Hormone regen die Eizellreifung an. Nach etwa zwei Wochen wird der Eisprung ausgelöst. Mit Hilfe einer Follikelpunktion werden unter Narkose fünf bis zehn herangereifte Eizellen vaginal aus dem Eierstock entnommen.
  • Künstliche Befruchtung im Labor: Die entnommenen Eizellen werden in einem Laborglas mit zuvor gereinigten Samenzellen des Partners zusammengebracht und kommen in den Brutschrank. Ist die Befruchtung erfolgreich, entwickeln sich die befruchteten Eizellen weiter (dies ist bereits nach einem Tag zu erkennen).
  • Transfer der Eizellen: Zwei bis fünf Tage nach der Entnahme werden maximal zwei befruchtete Eizellen über einen Katheter in die Gebärmutterhöhle eingebracht.

2. Interuterine Insemination (IUI)

Wie funktioniert eine IUI?

Bei dieser Methode wird der Samen entweder direkt in die Gebärmutter oder unmittelbar davor im Gebärmutterhals oder Muttermund platziert. Die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle erfolgt dann natürlich. Diese Methode ist deshalb nur geeignet, wenn keine schwerwiegenden Ursachen für das Ausbleiben einer Schwangerschaft diagnostiziert wurden.

Der Ablauf einer IUI-Behandlung

  • Der Zyklus der Frau wird überwacht, damit der Eisprung abgepasst werden kann.
  • Eine Hormonbehandlung ist hier nur notwendig, wenn der Eisprung ausbleibt oder der Zyklus sehr unregelmäßig ist. 
  • Die Samenzellen werden zuvor im Labor gereinigt und nach ihrer Qualität selektiert.
  • Mit Hilfe einer Spritze und eines Katheters werden sie dann kurz vor oder direkt nach dem Eisprung über die Vagina vor dem Muttermund oder in den Zervixkanal (innerhalb des Muttermundes) eingeführt.

3. Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Wie funktioniert eine ICSI Behandlung?

Sie kommt zum Einsatz, wenn die Beschaffenheit der Spermien nicht für eine Befruchtung ausreicht. Hier wird eine Samenzelle direkt in die zuvor entnommene Eizelle gespritzt. Anschließend wird die befruchtete Eizelle wieder in die Gebärmutter eingebracht.

Der Ablauf einer ICSI-Behandlung

  • Hormonelle Stimulation und Follikelpunktion: Hormone werden zugeführt, die die Eizellenreifung in den Eierstöcken anregen. Nach rund zwei Wochen wird so der Eisprung ausgelöst und über die Follikelpunktion werden möglichst viele reife Eizellen entnommen.
  • Samenprobe und künstliche Befruchtung: Aus dem zur Verfügung stehenden Sperma wird ein möglichst reifes Spermium zur Befruchtung auswählt und mit einer Pipette wird die Samenzelle direkt ins Innere der Eizelle gebracht. Anschließend kommt die befruchtete Eizelle in den Brutschrank.
  • Eizellentransfer: Wenn sich die befruchtete Eizelle im Brutschrank weiterentwickelt, wird sie nach zwei bis drei Tagen mit Hilfe eines Katheters vaginal in die Gebärmutterhöhle eingesetzt, wo sie sich einnisten soll. Der Prozess dauert insgesamt rund 20 Tage.

4. Tesikuläre Spermienextraktion (TESE) / mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration (MESA)

Wie funktioniert eine TESE-/MESA-Behandlung?

Bei diesen Methoden handelt es sich um operative Verfahren zur Spermiengewinnung. Wenn die Beschaffenheit der Spermien Einschränkungen aufweist, kann mit Hilfe dieser Verfahren versucht werden, doch noch aktive Spermien zu finden. 

Der Ablauf einer TESE-/MESA-Behandlung

  • MESA: Die Spermien reifen in den Nebenhoden heran, weshalb diese unter Narkose mit einer feinen Kanüle punktiert werden. Unter einem Mikroskop wird die entnommene Flüssigkeit auf aktive Spermien untersucht. 
  • TESE: Hodengewebe wird unter Betäubung durch einen kleinen Schnitt entnommen. Auch hier wird das Gewebe auf befruchtungsfähige Spermien untersucht. Ist die Untersuchung erfolgreich, können diese per Kryokonservierung eingefroren und aufbewahrt werden, um für eine ICSI-Behandlung wieder aufgetaut und aufbereitet zu werden.

Häufige Fragen zu künstlicher Befruchtung und ihrem Ablauf

Künstliche Befruchtung: Kosten

Wo die Kosten für eine solche Behandlung liegen, ist pauschal nicht zu beantworten. Es kommt vor allem auf zwei Faktoren an:

  • die Art der Behandlung
  • die Anzahl der Versuche

Beispiel: Um euch eine ungefähre Vorstellung mitzugeben ... Die Durchführung eines IVF-Zyklus liegt bei rund 3.000 Euro (pro Behandlungszyklus). Zusätzlich kommen Kosten für die notwendigen Medikamente hinzu. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen hier in der Regel bis zu 50 Prozent der Kosten für drei Behandlungen.

Künstliche Befruchtung: Krankenkassen und Kostenübernahme

Zunächst findet eine ärztliche Untersuchung und Feststellung einer Fruchtbarkeitsstörung statt. Diese wird in Deutschland von der gesetzlichen, sowie der privaten Krankenkasse gezahlt.

Wie groß der Anteil ist, der von den Behandlungskosten übernommen wird, unterscheidet sich jedoch bei der gesetzlichen und privaten Krankenkasse voneinander:

  • Gesetzliche Krankenkassen: Sie entscheiden bei der Kostenübernahme unter Berücksichtigung des Alters des (zwingend!) verheirateten Paares und nach Erfolgsaussichten der geplanten Behandlung.
  • Private Krankenkassen: Abhängig vom Vertrag können hier bis zu 100 Prozent der Kosten übernommen werden, wenn die Ursache der ausbleibenden Schwangerschaft nachweislich bei der privatversicherten Person liegt.

Um euch weitere Informationen über eine mögliche Kostenübernahme einzuholen, könnt ihr direkt mit eurer Versicherung in Kontakt treten, oder euch vorab beim Bundesministerium für Familie informieren. 

Ist eine künstliche Befruchtung für eine alleinstehende Frau möglich?

Es ist auch möglich, sich alleinstehend für eine künstliche Befruchtung zu entscheiden. Allerdings kommen hier eventuell Hürden dazu: Bei einer gesetzlichen Krankenversicherung müssen unverheiratete Personen sämtliche Kosten selbst tragen.

Dafür gibt es immerhin einen staatlichen Zuschuss auch für Unverheiratete. Dabei handelt es sich um einen Zuschuss von 12,5 Prozent des Eigenanteils für die erste bis dritte Behandlung. Und zusätzlich um bis zu 25 Prozent für die vierte Behandlung.

Künstliche Befruchtung: Altersgrenze

Auch stellen die Krankenkassen gewisse Voraussetzungen, wenn es um das Alter geht: Eine Chance auf eine (anteilige) Kostenübernahme haben Frauen zwischen 25 und 40, mit einem Partner zwischen 25 und 50 Jahren.

Eine gesetzliche Obergrenze für das Alter bei einer Kinderwunschbehandlung gibt es dagegen nicht. Die meisten Kliniken haben ihre Grenze jedoch bei 50 Jahren festgesetzt. Mit einem höheren Alter wird die erfolgreiche Befruchtung so unwahrscheinlich, dass von einer assistierten Reproduktion abgeraten wird.

Wie stehen die Chancen bei einer künstlichen Befruchtung?

Wie hoch die Erfolgswahrscheinlichkeit ist, ist individuell unterschiedlich und hängt maßgeblich von dem Gesundheitszustand und dem Alter ab. Im Durchschnitt liegt die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen IVF-Behandlung jedoch bei rund 20 bis 30 Prozent

Ist die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge bei einer künstlichen Befruchtung höher?

Da bei den Verfahren, wie der In-Vitro-Fertilisation, mehr als eine befruchtete Eizelle eingesetzt werden, liegt die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge auch etwas höher. Sie liegt bei rund 22 bis 25 Prozent.

Bekomme ich für eine künstliche Befruchtung eine Krankschreibung?

Da in diesem Fall keine Krankheit vorliegt, haben Arbeitnehmerinnen auch keinen Anspruch auf eine Entgeltfortzahlung. Die Fehlzeiten müssten also anderweitig geregelt werden. 

Wie hoch ist bei einer künstlichen Befruchtung die Belastung?

Zwar wiegt die mit der Behandlung verbundene Hoffnung oft schwerer als die Strapazen der Prozedur, dennoch können sie körperlich – ebenso wie seelisch – ziemlich anstrengend und belastend sein. Wer sich überfordert fühlt, sollte mit seinem Arzt darüber sprechen und sich nicht scheuen, therapeutische Hilfe anzunehmen. 

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