Etwa sechs bis acht Wochen braucht der Körper, um sich von den Strapazen der Schwangerschaft und Geburt zu erholen. Wir haben umfassende Wochenbett-Tipps für euch, untermauert mit der Expertise von Gynäkologen und Hebammen.
Geburtsverletzungen
Geburtsverletzungen wie z. B. Kaiserschnittwunde, Dammriss und Dammschnitt heilen normalerweise problemlos bedürfen keiner besonderer Pflege. "Nach einem Dammschnitt oder Dammriss genügt das Abspülen mit klarem, lauwarmem Wasser nach dem Toilettengang. Von Sitzbädern und Salben rate ich ab. Auch gibt es keine überzeugenden wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass Salben den Heilungsprozess eines Kaiserschnitts beschleunigen." Die Hebamme kontrolliert im Rahmen der Wochenbettbetreuung, ob die Dammnaht und ggf. die Kaiserschnittnarbe gut verheilen. Wenn die Geburtswunden stark schmerzen oder eitern, sollten Frauen einen Arzt aufsuchen.
Viele Frauen leiden nach der Geburt auch an Hämorrhoiden. Ein Thema, über das die wenigsten gerne sprechen. Manchmal tauchen sie durch den vermehrten Druck schon in den letzten Schwangerschaftswochen auf, manchmal entstehen sie auch erst durch das Pressen bei der Geburt. Für gewöhnlich heilen sie von alleine wieder ab. Wichtig ist, sie nicht unnötig zu reizen. Daher sollten Mütter auch nach der Geburt auf eine ausgewogene Ernährung achten, sodass es nicht zu Verstopfung kommt. Wenn sie sehr stark jucken, kann auch ein Kondom helfen, das mit Wasser gefüllt und ins Eisfach gelegt wird. Damit lassen sich die juckenden Hämorrhoiden dann gut kühlen. Alternativ gibt es auch schmerzstillende Salben in der Apotheke.
Baby Blues oder schlimmer
Durch die hormonelle Umstellung kann auch der sogenannte "Baby Blues" im Wochenbett einsetzen. Dieses Stimmungstief, das mehr als die Hälfte aller frischgebackenen Mütter in den ersten zehn Tagen nach der Geburt durchlebt, ist völlig normal. Es darf jedoch nicht zum Dauerzustand werden. Dr. Morgenstern: "Halten die typischen Symptome wie Stimmungsschwankungen, Erschöpfung, Appetitlosigkeit länger als zwei Wochen an, empfehle ich Betroffenen, umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, da ansonsten schwere postpartale Depressionen die Folge sein können."
Entspannung trotz Wochenbett
Frischgebackene Mütter sollten sich Zeit nehmen, um sich auf die neue Situation einzustellen. "Ich empfehle ihnen, die schönen Seiten der neuen Lebenssituation auszukosten und zu entspannen", ermuntert Dr. Morgenstern. Dazu gehört auch, euphorischen Besuchern Grenzen zu setzen. Denn: "Babytourismus" auf der Wochenbettstation oder zu Hause bedeutet Stress für Mutter und Kind. Tipp: Facebook oder Instagram erweisen sich in diesem Zusammenhang als probates Mittel: Ein Bild mit den wichtigsten Babyinfos posten – und alle sind ruhig gestellt (zumindest fürs Erste). Wer sein Baby nicht im Netz zeigen möchte, kann stattdessen einen Fußabdruck oder nur einen Ausschnitt mit einer Baby-Patschehand posten. Unsere Wochenbett-Checkliste hilft dabei, gut vorbereitet in diese Zeit zu starten.
Auch Hebamme Simone Wirtz empfiehlt, die ersten Tage im Wochenbett möglichst ruhig anzugehen und auch mal nein zu sagen, wenn sich zu viel Besuch ankündigt: "Die ersten Wochen mit dem Baby werden nie mehr so sein und wiederkommen. Das sollte man sich bewusst machen und die Zeit ganz bewusst genießen. Besuche sind okay, aber nur die, die die Mutter nicht anstrengen und auch nur Menschen, die man wirklich sehen möchte. Der beste Besuch ist der, der keine zusätzliche Arbeit macht und nicht nervt. Mamas sollten lernen, kein schlechtes Gewissen zu haben!" Wie man eine frischgebackene Mama wirklich unterstützt, lest ihr in unserem verlinkten Artikel.
Aus der Geburtsklinik ab nach Hause
Eine andere Frage, die Simone Wirtz immer wieder zum Thema Wochenbett begegnet: Darf man die Klinik nach der Geburt direkt verlassen? "Gerade beim ersten Kind fragen mit großen Augen: 'Darf man denn das? Muss man nicht im Krankenhaus bleiben?' Ja, man darf das! Die Gründe, die gegen ein ambulantes Wochenbett bei gesunder Mutter und Kind sprechen, sind meist durch Angst und Unwissenheit genährt. Es ist – und kann – nach der Geburt die schönste Erfahrung sein, die eine Mutter mitnehmen kann und sollte. Ich versuche Mamas zu ermuntern, Vertrauen in das instinktive, mütterliche Verhalten zu haben. Auch die Versorgung eines Dammrisses oder eines Dammschnitts stellt kein Hindernis dar, einige Stunden nach der Geburt heimzugehen. Voraussetzung sollte aber sein, dass sich jemand in den ersten Tagen rund um die Uhr um die Mutter kümmern kann und eine nachsorgende Hebamme bereit steht, die in den ersten zehn Tagen tägliche Hausbesuche leistet – wenn nötig sogar zweimal täglich."











